2 Mär 2016

Zelte für Eidomeni

Submitted by alphabetta

Zelt

Flüchtende in EidomeniBildquelle: hellas-solidarität-bochum

Manchmal ist Reden Silber, Schweigen Gold, aber Handeln, auch indem man bezahlt, unbezahlbar.

Die Bilder aus Eidomeni, wo an der griechisch-mazedonischen Grenze bald 10 000 auf nacktem Boden übernachten müssen, darunter kleine Kinder, kranke & alte Menschen, sind selbst durch die Mainstreammedien gegangen.

Wer dringend helfen will, kann dies über die Spende einer lokalen bochumer Initiative machen, für die ich bürgen kann, weil ich selbst mit beteiligt bin: die Hellas-Solidarität in Bochum. Wir konnten bereits gestern alleine über private Emails 999,- Euro einsammeln, für die bereits heute in Eidomeni 20 4er-Zelte, 36 Isomatten & Schlafsäcke ausgegeben werden können.

Die Übermittlung der Spenden erfolgt über die Kuba-Hilfe Bochum mit dem Vermerk im Verwendungszweck "Spende für Griechendland", zusätzlich gern "Hilfe für Eidomeni", weil die Kuba-Hilfe seit Jahren über das steuerlich wichtige Kennzeichen der "Gemeinnützigkeit" und der "Mildtätigkeit" verfügt, dass juristisch aufwendig zu erlangen ist.

Weiteres zur Hilfsaktion, inklusive der Spendenadresse hier:

https://hellassolidaritaetbochum.wordpress.com/2016/03/01/aktuell-spendet-zelte-fuer-die-frauen-und-kinder-in-eidomeni/

Ergänzende Solidaraktivitäten, Hilfsaktionen wie gemeinsam mit Griechen durchgeführte politische Veranstaltungen sind hier einsehbar:

https://hellassolidaritaetbochum.wordpress.com/soziale-arztpraxis/

https://hellassolidaritaetbochum.wordpress.com/

Kommentare

Bild des Benutzers ebertus

Eine kleine Spende zugunsten derer in Eidomeni habe ich gerade überwiesen.

Ja, das jetzt ablaufende Szenario war erwartbar und in sofern -um welchen Preis- muss man gar sagen, dass die Eintscheidung von Merkel&Co. damals im Herbst 2015 wohl alternativlos war. Jetzt machen andere die "Drecksarbeit", demnächst vielleicht auch noch die Türkei und die Verantwortlichen hierzulande lachen sich den Ast, werden von ihren Staatsmedien maximal eingehegt.

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An den Verkehrsknotenpunkten der Bahn findest du immer irgend welche Helfer und Helferinnen. In Hamburg, Rostock, Uelzen, Berlin habe ich auch nachts schon Flüchtlinge und Helfer.Innen getroffen. Einmal mußte ich einen Frühzug abwarten und bat einen der Helfer um einen Tee, weil schon alle Kioske geschlossen hatten. Eine Bezahlung wollte er natürlich nicht, da wäre ja sogar noch Steuer angefallen - und wer will sowas schon? Ich hatte ihm ein paar Euro gespendet und meinte, davon könne er bestimmt ein paar weitere Kannen Tee aufgießen.

Im Moment gibt es an der griechisch-mazedonischen Grenze mehrere "illegale" Lager, weil der Staat dort und die gesamte EU den

Artikel 14 der Allgemeinen Menschenrecht mißachtet.

Erinnert sei hier an ein illegales Lager im Jahre 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze,
mit dem Geschichte geschrieben wurde.

 

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waren diejenigen noch Helden, die den Flüchtlingen halfen.

Habe damals vielleicht viel zu wenig getan, weil mir liebe Menschen sich weitgehend selbst helfen konnten. Habe es damals mit Sicherheit viel zu wenig in seiner Grundsätzlichkeit betrachtet, war vielleicht eh' im Hamsterrad gefangen, die reale Nahwelt adressieren müssend.

Helfen ist besonders da auch wichtig, wo die Leute selbst Mangel leiden.

 

Wir hören aus griechischen Provinzen, in denen 30% der griechischen Bevölkerung selbst nicht mehr krankenversichert sind, dass sie noch einmal Massen an Flüchtlingen behandeln müssen, wenn sie sie nicht zugrunde gehen lassen wollen.

Auch schicken viele griechische Familien ihre Kinder inzwischen hungrig zur Schule, weil sie sich nicht genügend mehr an Lebensmitteln leisten können. Auch da kommt die Not, den Flüchtlingen helfen zu wollen, noch oben drauf.

 

An dem Punkt sind wir hier noch lange nicht,

Bild des Benutzers ebertus

an dem wir hierzulande (noch) nicht sind.

Insofern hält sich meine Hilfsbereitschaft hier durchaus in Grenzen, wolle ich die zuständige, die schlußendlich und in aller Konsequenz verantwortliche Exekutive nicht aus der Verantwortung lassen; insbesondere keinem (zweitem) Tafelsystem Vorschub leisten.

Bild des Benutzers Heinz

meint ja auch nicht scheißegal, sondern überall dort, wo dir selbst die Not direkt begegnet, ist ein Punkt zum Anknüpfen.

Die Welt retten werden wir mit unsern bescheidenen Almosen nicht, dafür haben die Neoliberalen sehr nachhaltig gesorgt; zum Beispiel die Troika, von denen der Finanzminister Schäuble allein aus dem Außenbeitrag 2015 einen satten Happen von 59 Milliarden an Steuern einstreicht. Das ist Geld, das vom Ausland an die Berliner Republik Deutschland BRD durch den Außenhandelsüberschuß dieser Exportweltmeister gezahlt wird.

Aber wir betreiben so plebiszitäre Griechendland-Diplomatie & zeigen, dass dies nicht nur Merkel- & Schäuble=Deutschland ist, indem wir solidarisch Hilfe leisten - von unten.

Solche Zeichen sind extrem wichtig: Nur durch vernetzte Aktivität, die wachsen & sich ausbreiten müssen (was sie aber nur aus Netzen dezentralisierter solidarischer Aktion können), erhalten wir eine andere soziale Struktur, durch die auch wir uns gegen die Zumutungen von oben wehren können.

Sonst strömen die Leute aus der Erfahrung des Ausgeliefertseins nur den Nationalisten & anderen aus chauvinistischer Selbstbehauptung erwachsenden Gruppen zu. Wir brauchen, was auch die Griechen & die Flüchtlinge brauchen: die Erfahrung, dass nur Solidarität uns alle schützt. Hilfe ist eben auch Medizin für uns - gegen die sozialdarwinistische Indoktrination, durch die man Leute entweder im Gleichschritt hinter die Regierungen oder ins rechte Lager treibt.

Du siehst an der großen Anzahl von politischen & Dialog=Veranstaltungen, die wir neben den Hilfsprojekten machen, dass es hier nicht um Caritas geht.

ES GEHT DARUM, MIT EINER ANDEREN POLITIK JETZT ANZUFANGEN - BAUSTEIN FÜR BAUSTEIN.

(- wie wir das friedenspoltisch im Verhältnis zu Russland (den Menschen, nicht in erster Linie der Regierung) auch in Treptow versucht haben.)

http://termiten.net/node/207

Dass es wünschenswert wäre, wenn das noch hunderttausend- oder millionenfach zunähme, keine Frage...

Bild des Benutzers Heinz

Das meint ja eigentlich. Es bedeutet grundsätzlich und der Grund einer Republik sind die Menschen.

Zumindest Merkel hat gemerk(el)t, daß da etwas ist, was sie in ihrer gesamten bisherigen Regierungszeit nicht beachtet hatte - das Volk.

Die Regierungen aller EU-Länder hatten sich auf ihre selbst zusammen geschusterte Gesetzeslage im Schengenraum verlassen und sind gerade hier in D darüber belehrt worden, daß die Mehrheit völlig anders empfindet, als sich das die Politiker.Innen träumen lassen.

aber zu der solidarischen Hilfe muss noch der Widerstand gegen Kriegspolitik & Sanktionsregime zunehmen (- denn das ist ein wesentlicher Anteil des syrischen Dilemmas: Das EU-Sanktionsregime hat die Einkünfte der Syrer von durchschnittlich 1200.- Euro auf nur 20% davon reduziert. Nach solchen Maßnahmen steigt immer in betroffenen Regionen in einem nächsten Schritt die illegale Plünderungsökonomie, der Waffen- & Menschenhandel - & dann ist da vollends nicht mehr zu leben. Zivile, nette Menschen, die eher sterben würden, als zu Untätern an ihren Mitmenschen zu werden, gehen dann ein wie die Primeln oder fliehen.)

Natürlich werden irgendwann auch die zu Nomaden, die sich vom Krieg haben verrohen lassen. Die bilden dann die Objekte der Angst vor allem der hier Prekarsierten.

Es gehört eben der gesamte neoliberale Brachialkapitalismus & der ihn begleitende Kriegswahn auf den Müllhaufen der Geschichte.

Bild des Benutzers Heinz

... wie eine Welt aussähe, die das Kapital für Kriegswaffen und Militär stattdessen für die Entwicklungshilfe ausgeben könnte.

und erst einmal eine Welt, in der gar keine Leute durch diese Wahnsinnsakkumulation so ökonomisch plattgemacht würden, dass Entwicklungshilfe nötig wäre.

Das Geld fürs Militär wäre in Krankenversorgung & für Kinder viel besser angelegt (& so viel zukunftsträchtiger).

Das ist doch schon mal etwas!

Außer Spenden habe ich auch nicht viel getan, außer bei bisher drei Veranstaltungen zur Lage in Griechenland mitzuhelfen/mitaufzutreten, um den Problemen dort, gerade mit der Versorgung von Flüchtlingen, aber auch mit der eigenen Gesundheitsversorgung & zusammengestämpften Infrastruktur, auch bei uns im Merkel- & Schäuble=Land Gehör zu verschaffen.

Ich kenne Leute, die mehr tun: Etwa auf Lesbos eine längere Sabbatical-Zeit verbringen, um dort bei der Versorgung von Flüchtlingen mitzuhelfen. Dort ist kein einziger niedergelassener Arzt mehr vor Ort & die ziehen täglich zahlreiche völlig verkühlte & erschöpfte Familien aus dem kalten Wasser!

Da wird ehrenamtliche Hilfe überlebensnotwendig.

(Aber so zu helfen wäre mir auch, alleine aus familiären Gründen, nicht möglich.)

Liebe Grüße,

Anja 

Bild des Benutzers ebertus

irgendwo.

Wenn ich jünger wäre, den Status von heute eingeschlossen, so würde ich vielleicht auch als Rettungsschwimmer dort mich einbringen. Zumal mir die Ägäis nicht ganz unbekannt ist; mit Zelt, Schlafsack und Rollmatte, von Izmir bis Bodrum, Rhodos und dann Piräus etc. Und noch vor der sog. Wende, im Sommer 1989 ein Flug, ad hoc von Athen nach Schönefeld mit Syrian Airlines. Das ging damals ...

aber Pflege, Versorgung von Leuten & Organisation von Hilfsmitteln scheitern bei mir noch nicht an der Physis, sondern der familiären Einbindung...

Bild des Benutzers hadie

Zumindest auf den betroffenen Inseln bricht auch der Tourismus weg, wie ein Leserbrief in der CretePost vom 28.2. zeigt:

A shocking letter by a teacher from Lesvos

Nun da ein Charterflug nach dem anderen zu unserer wunderschönen Insel Lesbos für die Sommersaison 2016 storniert wird, bewahrheiten sich traurigerweise unsere anfänglichen Ängste – und sie geraten langsam aber sicher ausser Kontrolle. Wir sprechen nicht mehr nur von einem einfachen saisonalen Rückgang der Touristenzahlen. Wir schauen auf einen Buchungseinbruch von über 80% – ähnliche Zahlen hätten wir nur vorzuweisen, wenn wir uns aktuell in einem Kriegszustand befänden.
Bis jetzt hat sich die Welt darauf fokussiert, wie mit der Flüchtlingskrise umzugehen ist, wie man die Menschenrechte der Leute, die aus ihren Heimatländern fliehen, wahren soll – doch dabei hat man leider vergessen sich auch zu fragen, wie die lokalen Gesellschaften, die diese Flüchtlinge aufnehmen und diese neue Realität nun hautnah (mit-)erleben, davon betroffen sind – mal ganz von den Rechten dieser Menschen abgesehen…
Wir (die Menschen von Lesbos, Anm.d.Red.) haben aus ganzem Herzen unsere Unterstützung angeboten, wir haben den Mitmenschen, die mehr Hilfe brauchten als wir, absolute Priorität eingeräumt. Wir alle haben unser eigenes Leben, unsere Bedürfnisse, unsere Wünsche und Träume hintenan gestellt, um einfach nur den Flüchtlingsstrom in den Griff zu bekommen, der – im Falle meiner eigenen Familie sprichwörtlich – durch unsere Hinterhöfe und Gärten marschierte.
Aber nun kommen wir einfach zu dem Punkt, an dem auch wir fragen müssen, wie unsere Regierung und die internationale Gemeinschaft uns unterstützen wird. Welche Maßnahmen werden sie ergreifen, um uns ebenfalls vor unserer finanziellen und psychologischen Verzweiflung zu retten? Wir denken an unsere lokalen Geschäfte, die dieses Jahr nicht öffnen werden, weil sie es sich einfach unter diesen Umständen nicht leisten können. Wir denken an all die Menschen, die dieses Jahr keine Anstellung bekommen werden, weil es einfach keine bezahlte Arbeit hier gibt!
Wie sollen all diese Menschen Essen auf den Tisch bringen und ihren Familien und Kindern Sicherheit und Gesundheit garantieren?
Wie können wir selbst unsere Lebensqualität mit Anstand aufrechterhalten? Wir denken auch an unsere Freunde und die Familie, die bereits ihre Abwanderungsszenarien umsetzen. Wir denken auch darüber nach, wie wir unsere Kredite an die Regierung zurückzahlen sollen – ganz von unseren Steuern, der Krankenversicherung und unseren Stromrechnungen abgesehen.
Die Leute hören, dass die Geschäfte “Dank” der Flüchtlingskrise auf unserer Insel boomen – aber diese Aussage könnte nicht falscher sein! Ja, natürlich – da gibt es eine Handvoll Unternehmen, die von den Flüchtlingen sehr gut profitieren – aber das sind halt nur eine Handvoll. Man muss sich die ganze Insel anschauen und bedenken, wie viele Geschäfte, Hotels, Restaurants, Souvenir Shops, Kinos, Schmuckläden etc. überhaupt noch nicht wieder geöffnet haben!
“Volontourismus” alleine kann all diese Geschäfte und Familien nicht aufrechterhalten, denn man muss bedenken, dass die meisten Geschäfte und Unternehmen hier auf Lesbos Familienbetriebe sind. Es gibt weltweit Artikel, die über das “humanitäre Herz” der Lesbioten reden und schreiben – und wir wurden sogar bereits für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen!!!!
Wir danken allen Menschen dafür, aber jetzt mal ehrlich – in meinen Augen bedeuten alle Friedensnobelpreise der Welt überhaupt nichts und sind sinnlos, wenn die Menschen um mich herum keine Arbeit, keine finanzielle Sicherheit und kein Vertrauen in ihre eigene Zukunft haben – und mich mit weinenden Augen anschauen, kurz vor´m Ertrinken in ihren Ängsten und ihrer Verzweiflung, weil sie wissen, dass sie ihre Familien nicht mehr lange ernähren können werden. Es ist einfach sinnlos, wenn wir uns unsererseits gezwungen sehen, Wirtschaftsflüchtlinge zu werden und unser eigenes Land zu verlassen. Ich wünschte, ich wäre überzogen dramatisch – aber das bin ich nicht.
Da unsere Geschäftspartner und Reiseanbieter nur an ihre finanziellen “bottom lines” denken und sich einfach von uns abwenden, anstatt kreative Lösungen zu unserer Unterstützung zu finden und uns durch Werbung und Promotion zu helfen – genauso übrigens, wie unsere – Griechenlands – EU-Partner uns die kalte Schulter zeigen indem sie ihre Grenzen schließen und tausende von ziellosen Flüchtlingen in Griechenland “gefangenhalten” – fragen wir uns und Euch: “wie lange werdet Ihr es noch durchhalten, die Augen zu verschließen und mit anklagenden Zeigefingern auf Griechenland zu deuten?”
Meine Familie stand von Anfang an in erster Reihe in Sachen Flüchtlingskrise: seit April 2015 haben wir alles dafür getan, die Rechte und eine sichere Überfahrt/Ankunft jedes Menschen zu sichern, der unsere Strände erreicht hat. Aber – ich bin auch eine Mutter – und Lehrerin.
Was für eine Mutter wäre ich wohl, wenn ich nicht auch die Zukunft und die Rechte meiner Kinder mit in Betracht ziehen würde? Was für eine lausige Lehrerin wäre ich, wenn ich nicht für die Zukunft und die Rechte meiner Schüler kämpfen würde? Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch fühlen soll – Scham, Wut, Schmerz, Zerstörung, Enttäuschung, Angst …?
Dann wiederum schaue ich aus meinem Fenster und sehe Licht und Schatten, die blühenden Mandelbäume in meinem Garten und ich fokussiere mich auf meine Kinder, die kichernd im Hintergrund spielen. Und ich denke an all die unglaublichen Menschen, die ich auf dieser “Reise” kennengelernt und getroffen habe, die uns und unsere Insel unterstützt haben.
Ich denke an all die Freunde, die ich auf diesem Weg gefunden habe. Alle diese Gedanken, Geräusche und Bilder geben mir die Kraft, die Hoffnung nicht aufzugeben – zur Ehre all derer und für mein eigenes Wohlbefinden, für meine Seele. Wir bitten nur um Solidarität und Unterstützung für Maßnahmen, die nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für alle betroffenen Geschäfte und Familien gedacht sind. Wir bitten Menschen, unsere wundervolle Insel zu besuchen und unsere Unternehmen zu unterstützen.
Wir sind nun an dem Punkt angelangt, an dem wir selbst um den Erhalt unserer eigenen Existenzen kämpfen müssen.

Aphrodite Vati Mariola

(Übersetzung von Radio Kreta)

Schlimm. Und es wäre wirklich eine gute Sache, für jeden, der es sich leisten kann, gerade jetzt in dieser Zeit in Griechenland Urlaub zu machen. Auch als Tourist hilft man dem Land, die Situation zu überstehen.

Bei uns sind Leute dabei, die in Lesbos ihre Sommerferien auch verbracht haben, um dort Flüchtlingshilfe zu leisten. Eine wird sogar ein sechmonatiges Sabbatical dort verbringen. Die Insel verfügt kaum mehr über niedergelassene Ärzte, selbst für die Einheimischen. Aber täglich werden diese unglaublich vielen Menschen aus dem kalten Meer angeschwemmt, viele stark unterkühlt & müssen auch medizinisch versorgt werden.

Dennoch geht Austeritätspolitik weiter, geopolitisches Schachspiel, Kriege im Nahen Osten, die sinnlose Konfrontation gegen Russland, die Verhandlungen um die Konzernermächtigungsabkommen TTIP&TISA&CETA, die den europäischen Gesellschaften noch die Reste an lokaler, regionaler, nationaler, europäischer Entscheidungsbefugnis zum Gunsten der multinationalen Konzerne entwinden soll, Kriegspolitik, Hegemonialstreben, der Kampf um die Oberhoheit über Rohstoffe...

Hinfahren wäre gut...

Spenden wäre gut...

Päckchen rüberschicken wäre gut... 

Und wenn es nur Dinge sind, die man sonst in den nächsten Kirchladen oder bei der Caritas abgäbe (wie Spielzeug für Kinder, Kinderkleidung, Babynahrung, Drogerieartikel, Fieberthermometer, Verbandsmaterial).

Wir müssen alle wieder ganz praktisch Solidarität & gemeinsames=grenzübergreifendes Handeln lernen.

Sonst machen sie uns alle fertig.

Bild des Benutzers ebertus

und eigentlich noch recht zurückhaltend, dieser Brief ...

Was wird aus der Ägäis, den Menschen dort in den nächsten Jahren? Und bei dieser Frage denke ich auch an die türkische Küste, die Menschen eben dort, wo wir (meine Familie, liebe Freunde) aus dem Sommer 1990 und von verschiedenen Campingplätzen dort zwischen Izmir und Bodrum noch schöne Erinnerungen im Hinterkopf mit uns tragen.

Die ganze Ägäis ein einziges Internierungslager, wahlweise ein türkisches Grenzregime, schlimmer als alles, was beispielsweise die DDR an der Ostsee unterhalten hat.

Oder, was (nicht nur) in dem Brief ja ebenfalls anklingt, die Entvölkerung der Inseln, der Küstenstreifen - ein Nato-Aufmarschgebiet und Übungsgelände.

Nur eine Hoffnung, eine Alternative schwindet immer mehr; diejenige, dass Einsicht unter den abendländischen (wenigstens europäischen) Kreuzrittern einkehren könnte. Man hat sich auf Gedeih und Verderb jedwedem angelsächsischen Neoimperialismus unterworfen und von Libyen bis Marokko werden bereits die nächsten Aufmarschgebiete verhandelt.

Die Frage wird eher sein, wie schnell und wie umfänglich griechische Verhältnisse auch hierzulande Einzug halten.

da die "griechischen Verhältnisse" kausal unmittelbar mit den unseren verbunden sind, ist mit der absichtlich herbeigeführten Verödung Griechenlands auch unmittelbar die unsirige vorprogrammiert, weshalb wir uns auch gemeinsam wehren müssen. Nicht umsonst habe ich ja auch mit der spontanen Hilfsaktion oben die begleitenden politischen Veranstaltungen zumindest über den Link mit angesprochen, da eine politische Perspektive sich nur gewinnen lässt, wenn man die einzelnen Katastrophen im politischen Zusammenhang begreift und deshalb auch in der Lage ist, die spontanen Notpflastern in ein politisches Gegenhandeln einzubetten, dass eben auch strategisch der Schaffung solidarischer Gegenstrukturen dient (auf allen Ebenen: Deshalb sollten wir auch weiter schauen, was die DIEM-Initiative langfristig bringt oder ob es nur eine reine Podiumsinitiative bleibt.)

Ja, der Ägäis droht die Verödung als reines NATO-Sperrgebiet, das den neoliberal ausgeplünderten jEuropäern als notwendige Schutzvorrichtung verkauft werden kann, während es offensichtlich auch als Basis für eine weitere hegemoniale Eskalation aufgebaut werden soll: gegen Iran und gegen Russland, das dann durch wirtschaftlichen Hybridkrieg und die Verstrickung in einen Dauerkrieg im Nahen Osten in den Regimechange getrieben werden soll, der dann auch noch diese Riesenregion zu einer kriegerisch zerfallenden machen würde.  

Die nächste Stufe der Chaotisierung des Nahen Osten wird vorbereitet: Die USA & NATO-Unterstützung für einen Teil der in sich gespaltenen Kurden zeigt schon Früchte für die Destabilisierung des Iran, in dessen Norden eine US-nahe kurdische Opposition gegen das Mullah-Regime schon längst die Waffen besitzen, die auf Beschluss des deutschen Bundestags den Peschmerga von Deutschland aus geliefert wurden. Infam, nicht wahr? Die Linken haben genau mit solchen Szenarien begründet, warum sie gegen die Lieferung sind, und wurden von den Grünen um Frau Roth ausgebuht, weil sie doch angeblich damit arme kurdische Freiheitskämpfer ihren Schlächtern ausliefern wollten! Jetzt soll das Schlachten noch weiter gehen.

Auch der Libanon wackelt gefährlich, der Jemen wird eh zerlegt, die Türkei zerbricht Herr Erdogan ganz allein (selbst da ist nicht mehr ausgechlossen, dass auch hier die USA bald schon mit Hilfe der Militärs einen Regime-Change vornehmen, was, obgleich man Erdogans Abtritt gar nicht schlecht finden kann, dennoch ein beunruhigendes Zeichen sehen muss, weil es offensichtlich demonstriert, dass es keine Grenzen des Zugriffs dieser Falken mehr gibt ---- & immer wird noch weiter mehr & mehr & mehr Öl ins Feuer gegossen. Herr Schäuble schwingt gerade wieder feurige Reden über noch mehr "deutsche Verantwortung!" (bei der euphemistischen Malträtierung der Sprache, wie wir sie heute im Mainstream vorfinden, würde selbst Orwell kotzübel.) --- das heißt: Die Kriegsmobilisierung wird zunehmen.

Und deshalb auch noch einmal die perfide Logik der Kriegspolitik & warum "Refugees Welcome" eine reaktionäre, keine freundliche Politik ist: Sowohl die neoliberale Entkernung der Sozialstaaten, endgültig dann zu Grabe getragen mit den Konzernermächtigungsabkommen, wird ja immer weiter verschärft - wie auch die (aus Sicht europäischer Bürger) völlig hirnige Konfrontation gegen Russland. Die Militärkosten werden immens steigen: Die EU-Staaten, die zukünftig weder Daseinsfürsorge, Sozialdienste, Krankenversorgung noch öffentliche Infrastruktur mehr leisten werden können (gerade heutige Hartz IV-Empfänger werden in nur wenigen Jahren die aktuellen Verhältnisse vergleichsweise als komfortabel empfinden), müssen für den militärisch-industriellen Komplex so viel abdrücken wie noch nie, während ihnen zugleich bislang unvergleichliche Integrationsaufgaben aufgebürdet werden. Die Vertiefung der Spaltung nach dem Pegida-/Anti-Pegida=Schema kann dann bis zu kriegsähnliche Vorstadtszenen hervorbringen, was wieder autoritäre Notstandsverordnungen der immer weniger demokratischen EU-Regierungen legitimiert (siehe Frankreich). Da hilft auch lange kein großartiges Samaritertum, da die Aufnahme von Menschen nicht nur deren wohltätige Versorgung (die Dankbarkeit dafür reicht nur wenige Monate) impliziert: Sie brauchen echt Lebensperspektiven. Die aber kann eine neoliberal ausgeplünderte Gesellschaft nicht mehr ihnen und nicht mehr den eigenen Mitgliedern liefern, so dass der Reflex genährt wird, dass sich depravierte Flüchtlingen und depravierte Einheimische als Konkurrenten um die Fleischtöpfe in einer für alle perspektivlosen Situation sehen. Sozialkonflikt vorprogrammiert - & die herrschende Schicht oben hat Ruhe, weil die "da unten" sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Das ist ein ganz perfides Spiel!

Wer die Logik der auf der Chaos-Theorie von Leo Strauss beruhenden neokonservativen Ideologie kennt, sieht, was da gespielt wird. Die Grenzenlosigkeit der dahinter stehenden kalten Brutalität und die unglaubliche Gefügigkeit der EU-Politiker bei einem Spiel, das - falls uns ein genuiner Dritter Weltkrieg als nuklearer Großkrieg erspart bleibt - zu einem Szenario ähnlich einer modernen Variante des 30jährigen Kriegs führen wird, lässt dabei gefrieren bis ins Mark. Denn Europa könnte wirklich in zehn Jahren in einem ähnlichen Zustand sein wie heute der Nahe Osten. Und das ist ja noch nicht einmal die schwärzeste Variante!

Ich kann immer nur wieder ERNSTHAFT empfehlen, zu dieser neokonservativen Hegemoniallogik die großartigen Curtis-Filme anzusehen (die alte BBC produzierte sie noch, bevor Cameron sie an die Leine legte.) Man muss das wirklich begreifen, dass die so denken, wie sie denken.

http://www.dailymotion.com/video/x20su5f_the-power-of-nightmares-1-the-r...

http://www.dailymotion.com/video/x20vgms_the-power-of-nightmares-2-the-p...

http://www.dailymotion.com/video/x20xke2_the-power-of-nightmares-03-the-...

https://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-trap-what-happened-to-...

https://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-trap-what-happened-to-...

https://freedocumentaries.org/documentary/bbc-the-trap-what-happened-to-...

 

GEGENWEHR:

Das heißt: Wir müssen uns wehren & wir müssen solidarische Überlebensnetze für so viele Menschen wie möglich alle zusammen on unten schaffen. Dies muss auf verschiedenen Ebenen stattfinden:

- erstens: alles für humanitäre Nothilfe zu tun & möglichst für niemanden entwürdigende Not zuzulassen, soweit wir dies vermögen. (wie bei den Zelten für Eidomeni oder allen Hilfsprojekten, aber auch der Flüchtlingshilfe hier)

- zweitens: die operative, politische Kooperation mit den Ländern der Ägäis von unten in gemeinsamen Soliprojekten, aber auch in dem wir alles tun, dass bei denen noch funktionierende Daseinsnetze funktionieren, die ihnen die Troika nicht nehmen kann & die ihnen vor Ort das Überleben sichert & den Exodus dort verhindert (Kooperation mit genossenschaftlichen Betrieben dort [haben wir eins, mit dem wir das tun], Unterstützung medizinischer Eigenversorgung [wie der von uns untersützten sozialen Arztpraxis in Arta]), Kooperation mit Gewerkschaften und politisch Aktien (haben wir mit linken Journalisten, der Sprecherin der streikenden Putzfrauen der griechischen Finanzbehörden u.a.) und die Vernetzung von Basisprojekten und Gewerkschaften bei uns und in diesen Ländern.

- drittens: auch der politische Dialog mit den Flüchtlingen: Auf allen Seiten muss ein Bewusstsein wachsen, dass es die gleichen Kräfte sind, die unser aller Leben verhehren: In Zentraleuropa, Südeuropa & im Nahen Osten & das wir die Gegenwehr bündeln müssen.

- viertens: Die Vernetzung unserer vielen Basisaktivitäten in der Vertikale durch Zusammenarbeit mit den dafür offenen Leuten in bestehenden Strukturen, deren Netzwerke und auch Polster wir nützen müssen, soweit es geht (bei Der Linke, Labour Net, alternativen Gewerkschaften wie GAP - u.a. & die anderen bei LISA organisierten Arbeitsverbänden von Frauen, darunter auch desjenigen der illegal hier Arbeitenden, Verdi, GEW, DGB, aber auch einzelnen Menschen noch im linken SPD-Reservoir & unter Basisgrünen, aber auch Kirchen, wo dies sinnvoll ist.) (Wir waren z.B.bei zwei Konferenzen von LISA, ein von der Linken gesponsortes Forum für hier in Deutschland arbeitende Nicht-Deutsche unter schlechteren Bedingungen als dt. Staatsbürger - an denen hat etwa der DGB leider wenig Interesse.) 

Wir alle=sichWehrenden sind David - im Kampf gegen Goliath. Wir sind keine Mehrheit, aber umgeben von unglaublich vielen Leuten mit dem diffusen Gefühl, dass etwas gewaltig schiefgeht, die aber auch - nach so viel Täuschung - sehr misstrauisch gegenüber allen "Politischen" sind. wir sind darauf angewiesen, unsere Aktivitäten alle so sehr zu steigern, dass sie irgendwann die kritische Masse übersteigen & so weit sichtbar sind, dass sie zusammenfließen & die vielen noch diffus beunruhigten mit einbinden können. 

(Auch die nächste Anti-TTIP-Demo im April in Hanover ist eine nächste Chance wieder zu erfahren, dass wir vielleicht gar nicht so wenige sind. Die große Demo in Berlin hat allen, die da mitmachten, unglaublich gut getan - mit 250 000 überraschenden Teilnehmern. Entmutigung ist eine der wichtigsten massenpsychologischen Taktiken unserer Gegner.

Denn es geht nicht mehr darum, ob unsere Welt eine hübsche oder eine hässlich=spießige ist (wie in den 60ern gegen den "Muff der Talare"), sondern ob wir uns erfolgreich dagegen wehren können, dass sie komplett durch die Zyniker zerstört wird!

Ich bin nicht bereit mich einer solch düsteren Entwicklung zu ergeben! Und ich hoffe, dass viele=viele das genauso sehen & ähnlich entschlossen sind!

Bild des Benutzers hadie

Das Wort Vernetzung höre ich nun schon 20 Jahre, geholfen hat es nichts. Und mit wem sollte ich mich vernetzen? Zweifellos mit den Menschen, die vor Ort die unmittelbare Not lindern, wie den Zeltkäuferinnnen. Auch mit wirtschaftlichen Akteuren, was wohl nicht so weit geht, auf Lesbos Urlaub zu machen. Nicht vernetzen möchte ich mich mit linksautoritären VerelendungstheoretikerInnen und atlantisch eingebundenen PropagandistInnen ...

Wo sind eigentlich Maries Wortmeldungen in diesem Strang? Zitat von Marie aus meinem Maileingang:

touristen und/oder flüchtlingsMASSEN ...
klingt es nur für mich paradox - eine BEZAHLENDE menschengruppe herbei zu sehnen und eine notleidende als problem darzustellen?
zumindest scheint es mal wieder nicht um MENSCHEN zu gehen ... sondern um GELD??? WARUM nicht ??? = jeder tourist (alle ärzte) = ein flüchtlingspate und GLEICHZEITIGER unterstützer der griechischen tourismusbetreiber?

Genau das wird nicht passieren. Griechenland-Urlauber sind ganz große Genießer und Entspannungssucher, die werden dieses Jahr eher wegbleiben. Auch die Aktivisten mit dem Helfersyndrom tragen nicht unbedingt zum Urlaubsgenuss bei. Militärs und Paramilitärs braucht der gestresste Inselurlauber erst recht nicht.

... bleiben eh jedem kapitalismuskritischem Thema fern. "Linksautoritäre Verelendungstheoretiker" kenne ich einfach zemlich wenig, Gemeint ist die praktische Zusammenarbeit (nicht nur in einmaliger Nothilfe) in allen Lebensbereichen & das gemeinsame Wehren gegen Privatisierung von Daseinsfürsorge, Enteignung der Menschen, Aufrechterhalten von Bildung-, Gesundheit-, Soziales-, Kultur- gegen die Megamaschine des Konzernkapitalismus - & die Bedrohung durch Militarisierung & Krieg. 

Es geht einfach darum, ziiles Zusammen=Leben zu retten & zu bewahren - & nicht zuzulassen, dass alles durch PPP & Konzerusurpation aufgesaugt wird.

Und ich glaube auch, dass jeder, der in diesem Jahr dorthin fährt, besonders intensive Kontakte wird schließen können.

Bild des Benutzers hadie

"Der Begriff Voluntourismus setzt sich aus den Worten “Volunteering” und “Tourismus” zusammen und beschreibt eine neue und offensichtlich in diesen Zeiten recht “angesagte” Reiseform. Die Reise an sich nennt man eine “Voluntour” und den Reisenden demzufolge einen “Voluntouristen”. Entsprechend Interesse, Fähigkeit und Zeitrahmen absolviert der Reisende weltweit mehr oder weniger sinnvolle Arbeitseinsätze zur Verbesserung der gesellschaftlichen und ökologischen Verhältnisse am Einsatzort. 

(Radio Kreta)

 

Auch "Brot für die Welt" beobachtet den Voluntourismus mittlerweile kritisch, bis zum "Gutmenschen-Bashing".

(Tourism-Watch)

Lieber Hadie,

ich leide nicht an dem kitschigen Entzücken über Symbolpolitik, halte nicht die Oberfläche für den Inhalt.

Aber als ich gestern auf der oben verlinkten Veranstaltung unserer Bochumer Hellas-Solidarität war, auf der der griechische Journalist Wassilij Aswestopoulos per Skype zugeschaltet war, kamen einfach folgende Fakten rüber:

- über 5 Millionen Griechen hängen von den Einkommen von 1,4 Millionen Menschen ab (noch nicht einmal jeder Dritte hat Einkommen.)

- von diesen Einkommen sind gut 30% Renten = d.h. oft leben von 700-800 Euro Rente 4 Personen

- diese Renten sollen jetzt noch um 30% gekürzt werden! (Troika-Forderung)

- dieses verarmte Land beherbergt zur Zeit 800 000 Flüchtling, die nicht weiter reisen sollen (Balkan-Route ist dicht). Auf deutsche Verhältnisse übertragen, hieße das, wir hätten dann 12,8 Millionen Flüchtlinge bei noch nicht einmal einem Drittel unseres aktuellen Einkommens.

- zusätzlich kommen jeden Tag noch Tausende an. Und sie werden dort in einem Land, dessen Ärzte zu großen Teilen ausgewandert sind (u.a. nach Deutschland), unterkühlt und ausgehungert angespült.

- sie treffen auf ein Land, dessen Behörden von einem Stellenabbau in einem Maße seit Jahren betroffen sind, dass unsere Verhältnisse 

- trotzdem neigen noch nicht einmal halb so viele Griechen wie andere Europäer dazu, rechte Parteien zu wählen. Die Solidarität ist immens. Die Leute rackern wie doof, alleine damit dort die Flüchtlinge zu essen & medizinische Versorgung bekommen können, ergo nicht schlichtweg dort verrecken.

 

Wenn jetzt mit dem Tourismus der letzte Erwerbszweig einbricht, an dem Normalbevölkerung und nicht nur Großkonzerne verdienen, dann heißt das:

Die Griechen werden nicht mehr in der Lage sein, dort zu leben, weil sie schlichtweg die primitvsten Grundbedürfnisse für sich nicht mehr garantieren können: nämlich die Menge Nahrung, ohne die man anfängt zu verhungern und medizinische Grundversorgung, um nicht schon an Bagatellerkrankungen umzukommen. Sie werden dann selbst zu Arbeitsmigranten in der EU und müssen ihr Land komplett & total aufgeben. Griechenland wird dann ein einzige FRONTEX- & NATO umgrenzter Hotspot und hört als Land schlicht auf zu existieren: als Land mit einer zweitausendjährigen Geschichte und einer eigenen Kultur!

SO DRAMATISCH IST DAS. DAS IST KEINE ÜBERTREIBUNG - KEIN BLOSS ÄSTHETISCH-DRAMATISIRENDES UNTERGANGSGESCHWAFEL, SONDER SCHLICHT EIN REALISTISCHES UND NICHT MEHR FERNES ZUKUNFTSSZENARIO 

Sind wir da nicht verpflichtet, zu helfen, wie wir können? Und zusätzlich für eine andere, wirtschaftlich anders organisierte und soziale EU zu kämpfen? - zusammen?

Bild des Benutzers hadie

Weitgehende Zustimmung zu Deiner Situationsbeschreibung. Deshalb habe ich ja auch den Brief der griechischen Lehrerin komplett eingestellt. Nur haben wir wohl einen anderen "Überbau". Du erwähnst die Chaos-Theorie von Leo Strauss, mir ist die Spieltheorie nach Nash sympathischer. Denn ist es nicht ein komplettes Gefangenendilemma, in dem wir (Europäer) nur zwei Entscheidungsmöglichkeiten haben: bedingungslosen Altruismus (Hurra Flüchtling! Alle rein!) oder Kooperationsverweigerung á la AfD/Pegida?

Skizze

Der Voluntourismus ist eine Tatsache, bei dem dieses Gefangenen-Dilemma auf die persönliche Ebene heruntergebrochen wird (im Feld oben links), etwa durch die entgangene Urlaubsfreude der gutmenschlichen Volunteers, die z. B. dauernd auf ihre beiden halbwüchsigen Töchter aufpassen müssen oder abends in der Taverne keine Kopfabschneider-Videos sehen mögen ...

ich habe nie den Pegida-/Anti-Pegida=Mechanismus bedient. Dafür dass ich Merkels Flüchtlingspolitik keineswegs für altriuistisch halte, sodern für absichtlich sozialspalterisch, habe ich mich in Foren von emotionaldemokratischer Seite schon beschimpfen lassen müssen.

Wir müssen einfach sehen, dass die schonungslos brachiale neoliberale Umwandlung der europäischen Länder, die aggressive Destabilisierung des Nahen Osten und das geopolitische Kriegsgebaren gegenüber China und Russland alles verschiedene Seiten ein- & derselben Politik sind. Der haben wir alle jeden Grund, uns entgegenzustellen, wenn wir wollen, dass wir & unsere Kinder auf diesem Kontinent noch eine Chance auf ein lebenswertes Leben haben. Eine solche rationale & solidarische Politik ist auch keine "altruistische". Naiver Altruismus bleibt so lange bestehen, bis die eigene Existenzangst dafür sorgt, dass er in sein Gegenteil umschlägt. Die Koppelung von Selbst- & Fremdliebe, als etwas, was sich immer wechselseitig bedingt, gehört zu den weisen Elementen des Christentums, die es verdienen, als bewahrenswert erachtet zu werden.

Solidarität mit Griechenland hat in meinen Augen drei Pfeiler:

- unterstützende Hilfe, wo die es einfach dicker mitbekommen als wir (durch Spenden, durch tatkräftiges Mitanpacken, durch Kauf von griechischen, am besten genossenschaftlichen Produkten oder durch Urlaub dort, um die noch versorgungspotenten Bereich der griechischen Wirtschaft, von dem die Menschen & nicht die Troika profitiert).

- die enge & regelmäßige politische Kommunikation auf allen Ebenen (um auch hier die Belange der Griechen mit in Forderungen an unsere Regierung zu integrieren, was keineswegs bedeutet, nur die & nicht unsere Interessen zu sehen)

- gemeinsamen politischen Druck bei allen Fragen ausüben, die uns ja genauso tangieren wie die Griechen: Etwa ganz klar die generelle Forderung gegen PPP, Konzernermächtigungsabkommen und weitere "Deregulierung" setzen, dass Daseinsfürsorge, Gesundheitsfürsorge und die Bereitstellung der öffentlichen Infrastruktur durch die Gesellschaft (und nicht durch Konzerne) für jeden EU-Bürger erhalten und garantiert sein müssen - als EU-Bürger. Das betrifft die Rückkehr zu einer soliden Sozialpolitik genau wie die Gegenwehr gegen NATO-Kriegspolitik.

Wir sollten einfach solche Einzelhandlungen vornehmen, die in der Summe die Richtung zu einem humanen & gerechten Europa "von unten" ergeben würden. Um nichts anderes geht es.