13 Feb 2017

Wenn die Deutungshoheit schwindet

Submitted by ebertus

Via einer anderen Diskussion bei den Termiten angeregt, insbesondere aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Fragen (und Aussagen) im Blick habend, so darf hier und ganz konkret, an Beispielen verdeutlicht die im Zeitalter des Internet offensichtlich schwindende Deutungshoheit thematisiert werden.

Das Thema der sog. Fake-News mag hier zwar ebenfalls angesprochen werden, scheint es mir in letzter Konsequenz jedoch lediglich ein marginaler, wenngleich politisch-großmedial gehypter Nebenkriegsschauplatz. Die grundlegende Frage dahinter ist Meinung, Meinungsfreiheit und die Interpretation, ggf. Einhegung von Meinung unter den Gegebenheiten des Internet.

Für mich spielte die Beschneidungsdebatte in 2012/2013 eine wesentliche Rolle beim Erkennen von (lediglich) Meinung; einer oft eben sehr partikularen, sehr einsamen Meinung. Und diese Erkenntnis war (mir) nur möglich, weil es das Internet gab. Erinnern wir uns ...

Als das Kölner Landgericht im Juni 2012 zu dieser denkwürdigen Entscheidung kam, dahingehend, dass Beschneidung (kleiner Jungs) Körperverletzung ist, mit den fundamentalen Grundwerten der Unverletzlichkeit des Menschen, auch mit dem hierzulande geltenden Grundgesetz nicht übereinstimmt, da hob er an, der Sturm einer sehr partikular getriebenen Entrüstung.

Hitler next door und der neue Holocaust ante portas, das waren gängige Zuschreibungen an die Gegner eben dieser Beschneidung. Und außerdem wäre das Thema ein rein deutsches -bei dieser Historie- sollten die Deutschen mal ganz ruhig sein.

Schön, dass es das Internet 2012 schon gab; so wie wir es (noch) kennen. Sehr schnell stellte sich heraus, dass die Prozedur der Beschneidung in vielen Ländern (zumindest dort, wo es um relevante, zahlenmäßige Größenordnungen geht) ein Thema ist, in der Kritik steht; in Europa, in den USA und auch in Israel. So gibt es selbst in Israel Kampagnen gegen die Beschneidung; und dort -natürlich- ohne gepflegte Zuweisungen a la Next Holocaust. Michael Wolffsohn, eigentlich ein Hardliner, er war hierzulande der prominenteste jüdische Vertreter, welcher sich eindeutig gegen dieses blutige Ritual aussprach und selbst die sog. Antideutschen, sie gingen mehr oder weniger deutlich auf Distanz zu diesem jüdischen Ritual. Auch die Pornoindustrie meldete sich zu Wort, sind dort wohl fast alle männlichen Darsteller beschnitten, weit jenseits jeder religiös determinierten Begründung.

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Und damit wird es nun sehr grundsätzlich, bietet das Internet zu beinahe jeder These eine Antithese; und vergisst außerdem kaum.

Müssen Kritiker der Kernkraft dahingehend ausgebildete Fachleute sein? Nein, nicht mehr! Mit wenigen Schlüsselworten und Mausklicks findet man im Netz die Fachleute, pro und kontra Kernkraft. Was dann schlimmstenfalls bzw. in erkennbar gespreizter Pose zu dem Versuch eines akademisch vorbelasteten Rankings führt: haust Du meinen Doktor, hau' ich Deinen ...

Und genau dieses Reiz-Reaktionsmuster, den oft erkennbar hilflosen Versuch die (eigene) Meinung zu verabsolutieren, das durchzieht sich heute zu allem, was die Human- und Geisteswissenschaften betrifft; von den Religionen kennt man es sowieso. Bei der Beschneidungsdebatte waren fast alle Ärzte, Psychologen und auch Juristen hierzulande gegen Beschneidung positioniert; die wenigen Befürworter dagegen -eher keinem der vorgenannten Berufsbilder zuzuordnen - gaben sich äußerst lautstark und hatten Godwin's Law als diskursive Standardfigur immer im Anschlag.

Ähnliches passiert, seit 2008 verstärkt, zum Thema Wirtschaftswissenschaften. Negative Zinsen, der massive Aufkauf von sog. Schrottpapieren durch die Staaten, demnächst vielleicht auch noch sog. Helikoptergeld; wer hätte das gedacht, vor nicht allzu langer Zeit. Das stand auf keiner seriösen wirtschaftswissenschaftlichen Agenda, nannte man es wohl und wissend: Verschwörungstheorie. Die Realwirtschaft aktuell scheint nur noch ein Wurmfortsatz der globalen Kreisläufe virtuellen Geldes zugunsten der Wenigen; während der gemeine Hartzer hierzulande nach und nach den sozialen Standards von Bangladesh angepasst wird. Und falls ein hehrer Banker, Investor, Hedgefondsmamager kritisiert wird, so wäre bitteschön und vorab dessen (soweit gegeben) Religionszugehörigkeit zu prüfen, ggf. von  Kritik Abstand zu nehmen; wollte der Kritiker nicht als Antisemit entlarvt werden.

Ein weiteres, interessantes Kapitel bei diesem virtuellen Spiel, das sind die sog. Kultur- und Geisteswissenschaften; über die der Volksmund schon mal von den brotlosen Künsten spricht. Gerade Journalisten sind die momentan in aller Munde seienden Vertreter dieser Spezies. Bis auf wenige, nach wie vor gut vernetzte Alphajournalisten wird das Monatsende für die meisten immer länger, werden die Jobs immer prekärer, hilft es bestenfalls temporär, das Lied derer, deren Brot sie essen immer kräftiger zu singen. Im Internet findet sich zu jeder von der Kanzel herab großmedial-qualitätshaltig verkündeten These (Tatsachenwahrheiten) eine Antithese oder wenigstens eine Relativierung - und die bisherige Deutungshoheit schwindet.

Wohl aus genau diesem Grunde treten die Inhalte nun immer mehr in den Hintergrund, ist eben schnell erkannt, das beispielsweise ein ARD/ZDF-Bild von den in die Ukraine einrollenden russischen Panzern zu einer ganz anderen Zeit, an einem ganz anderen Ort aufgenommen wurde. Oder umgekehrt, die Dresdner Busse als hehres Mahnmal vor der Frauenkirche im Originalfoto von Reuters (on top) eine IS-Flage zeigen.

Ganz salopp gesprochen: Gestern Beschneidungsgegner, heute Pegidist, wahlweise Neurechter ...

Oder wenn Hannah Arendt die Krigsverbrechen der Alliierten (von Dresden bis Japan) kritisiert und von einem Gerichtshof der Sieger spricht -ohne Arendts Urheberschaft (Eichmann in Jerusalem, Seite 375/376) zu kennen- man das aktuell und politisch korrekt doch viel lieber einer AfD-Petry zuschreiben, im geistigen Umfeld von Pegida verorten würde. Und sogar Rudolf Augstein, wie man lesen konnte, hat sich posthum und ungefragt als Ghostwriter von Björn Höcke betätigt, wurde entlarvt.

Nächste Baustelle ... Warum werden heute, seit einigen Jahren soviel hehre, hoch geisteswissenschaftliche Doktorarbeiten als Plagiate entlarvt? Klar, die Antwort ist beinahe zwangsläufig nach dem Vorgenannten. Soweit die Doktorarbeit -manchmal zahlungspflichtig- im Netz auffindbar ist, so ist es dann beinahe nur noch brute force an Rechenleistung, den Text erst mal Wort für Wort und Satz für Satz mit anderen einschlägigen, über das Internet zugänglichen Quellen zu vergleichen. Erst danach, wenn die roten Lampen bei so einem Teil angehen, erst dann mag sich ein inhaltlich dahingehend gebildeter Mensch mit der vertiefenden Analyse beschäftigen.

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Abschließend dann noch mal zurück zu den sog. Fake-News als (demnächst) kommender Untergang des aufgeklärten christlichen Abendlandes. Wie nicht nur in meinem letzten Blogtext angedeutet kann der dahingehend möglicherweise, verrückterweise dann beschlossene formalrechtliche Rahmen lediglich ein sehr diffuser sein; bewußt genau so angelegt und primär als Drohkulisse für die Kleinen, die hierzulande regional agierenden Plattformen. Die dem deutschen Recht nicht über Gebühr verpflichteten BigPlayer juckt das kaum, haben sie außerdem genug Kapital, jedes sie sanktionierende neue Wahrheitsministerium  hierzulande durch die Instanzen zu treiben, stehen ihnen aus globaler Perspektive auch noch ganz andere Maßnahmen offen.

Und über allen verbalen, populistischen Fingerhakeleien steht die entscheidende Frage: Wo hört Meinung auf, fängt Fakt (oder Fake) an?


Ergänzung 14.02.2017:

Interessant scheint mir in dem Zusammenhang, warum dieser Verlust der Deutungshoheit primär bis ausschließlich die weichen Wissenschaften, oft auch pure Ideologie, Religion etc. betrifft, wo deren Protagonisten nach und nach schier aus dem Häuschen geraten.

Kulturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Humanwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften.

Also alles das, was beispielsweise dem Tierreich eher fremd ist, für dessen basale Überlebensfähigkeit keine, bestenfalls eine marginale Rolle spielt.

Der Kaiser wird durch die Möglichkeiten des Internet zunehmend seiner Verkleidung beraubt, ist nackt.

Beispielhaft wurden hier u.a. Journalismus (Propagandamodell) und religiöse Rituale (Beschneidungsdebatte) genannt. Aber die Herausforderung, dieser Verlust der Deutungshoheit betrifft alle genannten Wissenschaften; und steht möglicherweise erst am Anfang eines noch weitgehend unbekannten Weges..?

Dass zu jeder im Brustton allwissender (neu: alternativloser) Unfehlbarkeit hervorgebrachten These im Netz relativ schnell eine Antithese gegenübersteht, das ist mit Sicherheit erst der Anfang dieses Kampfes der Kulturen. Die erwartete, kosumistisch orientierte Technikgläubigkeit frisst ihre Kinder, ermöglicht ihnen/denen eine ganz neue Form der Emanzipation. Oder anders formuliert:

Wenn jede(r) always online ist, jede(r) Sender wie Empfänger sein kann, dann wissen irgendwann alle alles.

Es sei denn, der große Leviathan greift regulierend ein.

Was (vorerst) bleibt, das ist die basale Existenzsicherung via der untersten Ebene dieser bekannten Pyramide. Und dort werden weder Religionen noch Medien gebraucht, kommen erst auf der nächsten Ebene ins Spiel, soweit Menschen gegeneinander aufgebracht, ausgespielt werden müssen um Hegemonie und Herrschaft (der Wenigen) zu sichern.

Hier schließen sich dann (für mich) so einige Kreise. Im postindustriellen Zeitalter bei weiter steigender Produktivität, zunehmend lediglich noch virtueller Akkumulation, werden immer weniger Menschen wirklich gebraucht, ist Soylent Green  (2022), sind ähnlich apokalyptische Szenarien nicht einmal mehr so weit weg. Das aktuell via Arbeitszwang betriebene Lohndumping findet seine beinahe natürliche Untergrenze, werden wir irgendwann bald alle Hartzer; oder wenigstens Aufstocker. Zur Existenzsicherung beispielsweise müsste daher ein die gesellschaftliche Teilnahme ermöglichendes bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) zählen; woraus sich aber im Umkehrschluß beinahe zwangsläufig ergibt, dass es für die Herrschenden (und deren Vasallen) schwerer bis fast unmöglich wird. Schwache gegen noch Schwächere auszuspielen; insbesondere, wenn diesen Schwachen und den noch Schwächeren weiterhin die Möglichkeiten des Internet zur Verfügung stehen.

Als Seiteneffekt -oder gar zentral- kommen unter einem BGE die oben genannten Wissenschaften (nicht nur die Journalisten) auch von Seiten der Vergütung für ihre (Denk)leistungen unter Druck. Brotlose Künste/Künstler werden noch brotloser. Die Vergütung dagegen für real bzw. basal geerdete Arbeit wird sich in vielleicht ungeahnte Höhen aufschwingen. Wenn einfache, dreckige, schwere, gefährliche, eklige etc. Tätigkeiten nicht mehr über den faktischen Zwang zur Arbeit (zu Hungerlöhnen) erpresst werden können, dann wird die dafür zu leistende Vergütung erheblich steigen (müssen).

Man könnte es makaber nennen, vielleicht auch paradox, aber gerade die intellektuelle Linke und primär mit den oben genannten Wissenschaften verbunden, eh nicht wirklich den fast alles Besitzenden zugehörig, sie ist nach meinem Eindruck eher ein Gegner des BGE -sie wissen, was ihnen da blüht ... Erst verlieren sie die Deutungshoheit, dann auch noch die Existenzberechtigung was ihre angelernte Profession angeht,

und wenn den prekär beschäftigten Journalisten mal eine Verstopfung in seinem häuslichen Abwassersystem ereilt, dann kann er die teuren Handwerker nicht mal mehr bezahlen. Schöne Neue Welt ...  

Kommentare

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Hatte das am Samstag hier schon mal in einem Kommetar an anderer Stelle erwähnt,

ist inhaltliche Deutungshoheit aus privatwirtschaftlicher Sicht natürlich immer ein Hausherrenmodell; fast wie bei den Termiten, wobei inhaltlich hier (fast) alles zulässig ist, zu ad personam dagegen im eigenen Blog einklappen kann, wer mag ...

Pregetter Otmar hat(te) in der FC einen Blogtext eingestellt, den er vorher und im Original bei RT deutsch veröffentlichte. Und er hat bei seiner FC-Einlassung sogar noch ausdrücklich auf diesen, seinen RT-Beitrag hingewiesen / verlinkt. Aktuell und ich ahnte es, habe mir den FC-Link daher bereits am Samstag kopiert, ist das Teil bei der Freitags-Community verschwunden,

nur noch via dem Google-Cache erreichbar.

Pregetter selbst existiert als Avatar zwar noch, ist jedoch, ebenso wie meine Wenigkeit und die anderer, nun möglicherweise gesperrt, darf in drei Monaten dort um gnädige Wiederzulassung bitten.

Schade, wegen dem ernsthaften Einlassen der anderen Diskutanten dort, sind die meisten der KommentatorInnen des Pregetter-Blog eh hier registriert, würden ansonsten Achtermann und Gelse, vielleicht auch Gonzo wohl gut hierher passen

Und Ursus aka, aka, aka, darf dort weiter den Wächter geben ...

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Ja, der Geist einer Gesellschaft, die nicht gesellschaftlich kommuniziert, zersplittert wie ein Porzellan in tausende Scherben. Da jeder für sich und gegen alle Konkurrenten aktiv sein muss, um zu überleben, ergeben sich unzählige Aspekte und Perspektiven, die nicht zueinander finden. Sie bleiben fragmentarisch und widersprüchlich, weil eine atomistisch gespaltene Gesellschaft zu keinem Gemeinsinn mehr fähig ist. Die Vielfalt der Meinungen ist unverbunden wie die Sandkörner der Sahara, die der Wind in jede Richtung hinfort blasen kann.

Die Liquidation des Gesellschaftlichen durch das Private hat längst stattgefunden. Besonders bedrohlich empfinde ich dabei, dass selbst kritische Geister mit Porzellanscherben um sich werfen.

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Ich sehe das ähnlich wie Marie; jedoch aus einer etwas anderen Begründung heraus.

Für mich ist die lockere, dezentrale, heterogene Multitude das Maximum dessen, was unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen machbar, aber auch sinnvoll ist. Alles andere mündet in (eingefordertem) Korpsgeist, in seilschaftigen Klüngelclubs oder gar in Hierarchien, selbsternannter Missionare und anderer Glaubenskrieger.

Die dahingehenden Vorteile unter der Regie des großen Leviathan kann man nutzen, sollte man nutzen, ohne dabei der Sonne zu nahe zu kommen. Für mich selbst -Outing ist eine meiner leichtesten Übungen- bedeutet dies, der Realwelt in jedem Fall den Vorzug zu geben vor irgendwelchen virtuellen Spiegelfechtereien. Insofern bin ich nach wie vor viel unterwegs (on the road), kenne einen Teil der Termiten persönlich und habe manche bereits mehrfach getroffen, stehen von den gemeinsamen besuchten Veranstaltungen, Events und Demos bis hin zu unaufgeregter Projektarbeit viele Möglichkeiten und Varianten auf dem Programm.

Das Internet, das Virtuelle macht Vieles möglich, nur spielt die Realität, die durchaus unterschiedlich erlebte Realität des Einzelnen, der Einzelnen auf einer ganz anderen Ebene.

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„Für mich ist die lockere, dezentrale, heterogene Multitude das Maximum dessen, was unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen machbar, aber auch sinnvoll ist. Alles andere mündet in (eingefordertem) Korpsgeist, in seilschaftigen Klüngelclubs oder gar in Hierarchien, selbsternannter Missionare und anderer Glaubenskrieger.“

Ich weiß nicht, ob Michael Hardt und Toni Negri das so bestätigen würden.

Etiketten sind für mich dabei auch nebensächlich. Wichtig ist doch die Möglichkeit, das Verbindende zu entdecken, das es erlaubt, miteinander in Beziehung zu treten und gemeinsam zu handeln.

Wenn jeder (locker oder unlocker) bei seiner persönlichen Perspektive bleibt, sind Gemeinsamkeiten kaum möglich. Aber vielleicht ist Gemeinschaft für viele inzwischen zu einer hohlen Phrase verkommen, die sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen (können) und deshalb auch nicht mehr anstreben. Vielleicht hat sich das Ego längst über jegliche Egalité und Fraternité hinweggesetzt…

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ob Michael Hardt und Toni Negri das so bestätigen würden.

Was ich jedoch bei Negri mitgenommen habe ist die Überlegung, dass diese Multitude außerinstitutionell grundiert sein wird.

Die herkömmliche Parteiendemokratie kann das Postfaktische, das Postindustrielle, das Postdemokratische nicht mehr einfangen, war als Struktur bzw. Rahmen und ähnlich den Gewerkschaften, den Religionen usw. lediglich dazu da, die verbale und nonverbale Artikulation der Menschen, deren Bedürfnisse etc. einzuhegen und im Dienste der Herrschaft verfügbar zu machen.

Wenn nun das Netz diese Funktion des Rahmens übernimmt, Strukturen fließend sind, dann werden die politischen Parteien nebst derer Großmedien ihrer Funktion beraubt. Was bei dieser Transformation entsteht, das weiss momentan niemand, kann man nur ahnen, spekulieren hoffen..

Dass dem Menschen sein Ego (ohne brachiale Gewalt) auszutreiben ist, das werden selbst gelernte Psychologen wohl nicht behaupten. Und daher habe ich zur Multitude eben mitgenommen, dass die Verbindung locker, dezentral und natürlich auch heterogen sein muß. Durch die Lockerheit werden die Spannungen nach innen gedämpft. Die Dezentralität verhindert zumindest ein Stück weit die von außen kommende Gefahr der schlichten Übernahme des Kopfes. Und Heterogenität sorgt für permanente Infragestellung, ggf. Rückversicherung.

Gemeinschaft, Gemeinsamkeiten, gerne! Nur wahrscheinlich nicht mehr in der bislang gemeinten, unterstellten, positiv konnotierten Form von Geborgenheit.

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„Dass dem Menschen sein Ego (ohne brachiale Gewalt) auszutreiben ist, das werden selbst gelernte Psychologen wohl nicht behaupten.“

Ja, das kann nicht gelingen. Aber vielleicht ist es möglich, die bewusste Wahrnehmung mehr auf die Gegenwart auszurichten. Damit wären die Filter des Ego in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt.

Das Ego existiert nämlich überhaupt nicht im „Jetzt“ der Gegenwart. Es besteht ja nur aus Fragmenten von Meinungen über seinen „Wirt“; und Meinungen sind assoziative Bündelungen vergangener Wahrnehmungen. Deshalb ist das Ego auch zu keiner Erkenntnis und zu keiner wirklichen Kommunikation fähig.

Letzteres wird z. B. überdeutlich, wenn es in Gesprächen versucht, jede Information und Situation als Loblied auf sich auszunutzen. Egozentrisch fixierte Geister reagieren fast auf jeden Satz ihrer Gesprächspartner mit einer Assoziation aus der Ich-Perspektive.

Die Dämonen des Ego sind keine Eigenschaften charakterlicher Art, sondern Hirngespinste, Ideen und Gefühle, die das Urtrauma des Egos „bebildern“ und kompensieren sollen. 

Allen Projektionen, die aus dem Verlustgefühl des ursprünglichen Selbst resultieren, ist gemeinsam, nicht das Vergessen zu thematisieren, sondern den psychomentalen Mangel zu verbergen und zu kompensieren. Das Vergessen bleibt aber stets der „nährende“ Hintergrund, vor dem sich zahlreiche spezifische Reaktionen und Interpretationen abspielen. Insofern stellt die sogenannte „Ego-Trägheit“ die „Mutter“ aller Verhaltenstypen dar, die diesen Mangel zum Ausdruck bringen.

Die „Ego-Trägheit“, in der wir unser tiefstes Wesen regelrecht „verschlafen“, beherbergt viele Gesichter: unscheinbar, reserviert, unbestimmt, angepasst, konfliktscheu, für alles in der Welt Verständnis zeigen, unempathisch gegenüber eigenen Gefühlen und Gedanken, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse, faul oder überhektisch, Trost durch Annehmlichkeiten und Ablenkungen suchend. Schmerzhafte Mangelgefühle von Bedeutungs-, Wertlosigkeit und Unzulänglichkeit sollen durch Solidität, Stabilität, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit übertüncht und vergessen werden.

Anstatt im Innen nach der tiefen Ursache des Verlustes zu suchen, lässt sich die Ego-Trägheit durch Außenorientierungen anleiten und zu Reaktionen bewegen. Menschen, die diesen Verhaltenstyp vorrangig verkörpern, werden sich arbeitswillig auf die Bedürfnisse der Umwelt und anderer Menschen einstellen und ihr eigenes Selbstwertgefühl darauf gründen, was sie anderen bedeuten und für andere tun. Ideal für jedes Gemeinwesen, das auf Ausbeutung und Begünstigung privater Profit- und Machtinteressen basiert.

Schließlich ist die Bürgerliche Kultur und Zivilisation durch brutale Anpassung und psychische Konditionierungen gekennzeichnet, während das menschliche Wesen durch den Prozess der Selbst-Vergessenheit eingeschläfert werden soll.

Zu 99% scheint dies derzeit gelungen zu sein. Existenzbedrohende Krisen, Kriege, Vertreibungen und andere soziale Katastrophen führen ja nicht dazu, dass die herrschenden Machtverhältnisse in Frage gestellt werden, sondern treiben die Menschen zunehmend in Zustände von Resignation und unsolidarischer Verwahrlosung.

Beide Gefühlsqualitäten basieren auf vorbewussten Interpretationen, dass ein menschliches Wesen per se weder wertvoll noch liebenswert sei und dementsprechend Aufmerksamkeit, bedingungslose Wertschätzung und anerkennende Zuwendung verdiene.

Insofern ist deine Aussage „Gemeinschaft, Gemeinsamkeiten, gerne! Nur wahrscheinlich nicht mehr in der bislang gemeinten, unterstellten, positiv konnotierten Form von Geborgenheit.“ auch Resultat einer Tendenz, die vorbewusst vermittelt wird.

Demgemäß setzen die Bürgerlichen Machteliten in Politik und Wirtschaft lediglich fort, was Massen junger Menschen bereits zuvor in ihren Familien erfahren mussten: dass ihr tiefstes Wesen von der Umwelt weder erfasst noch gehalten wird.

Für viele, die diesen inneren Schmerz durch Betäubung oder Abtötung des inneren Gewahrseins abzuschwächen versuchen, ist diese Art, sich selbst in den Schlaf zu wiegen, ein typischer Abwehrmechanismus.

Die charakteristische Vergesslichkeit dieses Verhaltenstyps äußert sich aber nicht allein darin, dass sie ihre eigenen Tiefen oder ihr wahres Wesen aus dem Auge verlieren. Sie neigen grundsätzlich dazu, alles Mögliche aus dem Gedächtnis zu verlieren. Sie vergessen, was sie eigentlich tun müssten, verlieren mitten in einer Aktivität den Faden und lassen sich leicht von allen möglichen unwichtigen Dingen ablenken und aus dem Konzept bringen.

Dahinter steckt der Versuch, praktisch zu bestätigen und zu verteidigen, dass es nichts gibt, dem eine außerordentlich Priorität einzuräumen sei. Diese Methode, sich gegenüber allen quälenden Gefühlen taub zu stellen, kann auf Dauer allerdings eine Verschlimmerung der Symptome, ggf. Alzheimer und Demenz, bewirken.

Selbstvergessene Menschen bevorzugen den Weg des geringsten Widerstandes und sind häufig in bürokratischen Institutionen anzutreffen, in denen Handlungsabläufe quasi automatisch ohne großes persönliches Engagement stattfinden. Der Hang zum Konformismus ist vielfach überstark ausgeprägt, sodass das eigene Funktionieren jede kritische Infragestellung selbst sinnlosen Tuns verhindert. Selbstvergessene Menschen sind die perfekten Rädchen in einem größeren Getriebe, die absolut kleinkariert ihre Funktion erfüllen, während ihr restliches Leben oft im Chaos versinkt oder sie vielleicht gar kein restliches nennenswertes Leben vorweisen können.

Ein weiteres Merkmal dieses Verhaltenstyps ist ihre ausgeprägte Konfliktvermeidungsstrategie. Um diese praktizieren zu können, nehmen sie andere Menschen eher vage und unbestimmt wahr, um verletzende Friktionen zu vermeiden, die ihrer Meinung nach aus einer scharfen und klaren Sichtweise resultieren würden. Selbst wenn ihnen bewusst wäre, was sie denken und fühlen, würden sie dies lieber nicht zum Ausdruck bringen, um keinen Streit zu riskieren. Die Wurzeln dieses konfliktscheuen Verhaltens sind durchweg darin zu finden, dass sie (mindestens) einen unaufmerksamen Elternteil nicht ärgern oder herausfordern wollten, um das bisschen Liebe und Aufmerksamkeit, das sie zu bekommen meinten, nicht auch noch zu verlieren.

Diese ausführlichere Beschreibung mag verdeutlichen, dass sich das Ego in vielfältiger Weise destruktiv auf das menschliche Verhalten auswirkt. Insofern wird das immer eine individuelle Aufgabe bleiben, dies zu erkennen und abzumildern.

Trotzdem sind die Auswirkungen des Egoismus auf die Welt auch allgemein politisch benennbar und analytisch hilfreich.

Wenn ich nochmal auf Ihren Beitrag zurück kommen darf - Für mich leitet sich daraus eigentlich eine Frage ab, die ich nicht aus der Hüfte selbst glaube richtig beantworten zu können:

Der Kampf um ein Zurück zu dem, was Sie "Deutungshoheit" nennen, wird erkennbar heftiger. Der schmierige Zensurismus des Freitag ist da nur eine unbedeutende Episode am Rande. Exralegale staatlich alimentierte Zensurbehörden, der Aufbau einer spezieller Taskforce in den ÖR (zunächst beim ZDF), mehr oder minder ernsthafte Überlegungen strafrechtlichen Sanktionen erscheinen übler.
Dann eine nahezu orchestriert erscheinende Denunziationsindustrie gegen Akteure jenseits des Mainstreams, die eine gewisse Relevanz erreichen.
Ich glaube übrigens - nein, auch das weiß ich nicht mit Gewissheit zu sagen - dass es Erfolg haben wird.

Mich interessiert aber, ob es sich um den Ausdruck eines tatsächlichen Herrschaftswillens einer Klasse/Gruppe handelt, die sich keinesfalls eine ihrer stärksten Waffen aus der Hand nehmen lassen will.
Oder ist es Ausdruck einer Ideologie, die sich einfach als Träger der Wahrheit begreift, die es mit allen, also wirklich allen Mitteln zu verteidigen gilt. Beides scheint möglich.

Die erste Variante würde ich fast noch besser finden. Wenn zynisch ein Herrschaftsanspruch exekutiert wird, durchaus im Bewusstsein, dass man Macht, nicht aber Schönheit und Wahrheit behaupten will, dann ist zumindest zu hoffen, dass Reste von Verstand bei den Agierenden vorhanden sind, die zum Beispiel davor zurückschrecken werden, ihre antirussische Hetze in einen antirussischen Endkampf zu verlängern.

Absurder Zustand, wenn man seine letzten Hoffnungen auf solche eine üble Annahme setzen muss.....

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wenn Menschen ihre letzten Hoffnungen auf solche eine üble Annahme setzen ...

Wenn Menschen einen wie Trump wählen, Pegida & Co. hinterherlaufen. Das darf man, muss man kritisieren, jedoch lediglich aus eher einsamer,  erkenntnistheoretischer Sicht dabei verweilen, das scheint mir zu kurz gesprungen. Politisch-großmedial wird das nach meiner Beobachtung jedoch genau so gehandhabt.

Die sind einfach da, die Trump, Le Pen, Wilders, Hofer und eben AfD-Wähler. Sind wie from outer space einfach über uns (Gute) gekommen und wir haben noch kein wirkliches Rezept dagegen, gegen dieses Reich des Bösen gefunden

Von Dritter Seite wurde ich auf diesen NZZ-Artikel von Slavoj Zizek aufmerksam gemacht, stehen von dem immerhin auch zwei Büchlein in meinem Regal. So kann Trump-Kritik gehen, jenseits alternativlos politischer Korrektheit. Es fällt mir schwer, eine Passage von Zizeks Kritik an der guten neuen Linken besonders hervorzuheben, versuche es trotzdem - weil Genderism für mich hier immer mal ein Thema ist:

"Vor wenigen Monaten waren Schwule, Lesben und Transgender Thema auf den Frontseiten der Medien – als ob das grösste Problem der Gesellschaft darin bestünde, wie wir die Geschlechtertrennung auf Toiletten überwinden oder ein Personalpronomen für all jene schaffen, die sich weder als «er» noch als «sie» bezeichnen. Nun sind wir mit dem Rückschlag der Unterdrückten konfrontiert – und mit dem Wahlsieg eines Menschen, der bewusst mit allen PC-Regeln brach, direkt und vulgär."

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"Nun sind wir mit dem Rückschlag der Unterdrückten konfrontiert – und mit dem Wahlsieg eines Menschen, der bewusst mit allen PC-Regeln brach, direkt und vulgär."

Zizek merkt auch nur noch etwas, wenn es um äußerliche Effekte geht. Empfehle, mal Nafeez Ahmed zu lesen:

Wie das Trump-Regime durch einen Konflikt im Tiefen Staat entstand
Eine systemische Krise im globalen Tiefen System hat die gewaltsame
Radikalisierung einer Fraktion des Tiefen Staates angetrieben

von Nafeez Ahmed

Präsident Donald Trump kämpft nicht gegen das Establishment, er will das Establishment vor sich selbst schützen - und gegen den Rest von uns. Auf den ersten Blick ist das nicht offensichtlich ... Eine annähernde Beschreibung der Trump-Bewegung kommt von Jordan Greenhall, der diese als eine konservative ("Rotes Glaubenssystem" ~ Republikaner) Auflehnung gegen die liberale ("Blaue Kirche" ~ Demokraten) Zweig-Niederlassung der Globalisten (des "Tiefen Staates") sieht. Greenhall mutmaßt, dass Trump einen nationalistischen Putsch gegen die neoliberale Globalisierung der Konzerne anführt, indem er neue Taktiken der "kollektiven Intelligenz" einsetzt, durch die er seine liberalen Gegner im Establishment lähmt und überholt.
   Doch dieses Bild trifft im besten Fall nur teilweise zu. In Wirklichkeit hat Trump etwas weitaus gefährlicheres eingeleitet: Das Trump-Regime operiert nicht außerhalb des Tiefen Staates, sondern mobilisiert in ihm Elemente, um ihn für eine neue Mission zu beherrschen und zu stärken. Das Trump-Regime will das Establishment nicht stürzen, sondern es gegen eine wahrgenommene Krise eines breiteren transnationalen Tiefen Systems festigen.
   Das Trump-Regime ist kein konservativer Aufstand gegen die liberale Establisment, sondern ein Akt der ideologischen Konstruktion der aktuellen Krise als konservativ-liberales Konfliktfeld, das von einer besonders radikalen weißen nationalistischen Fraktion einer globalen Elite geleitet wird. Sein Handeln ist ein direktes Produkt einer globalen systemischen Krise, es ist aber eine kurzsichtige und schlecht konzipierte Reaktion, die mit den Oberflächensymptomen dieser Krise beschäftigt ist. Unglücklicherweise haben diejenigen, die der Trump-Reaktion widerstehen wollen, die Systemdynamik der Krise auch nicht verstanden ...

https://medium.com/insurge-intelligence/how-the-trump-regime-was-manufac...

Bild des Benutzers ebertus

Trump hat übernommen, weil die liberalen Eliten die aufziehende Crisis nicht mehr beherrschen.

Diese liberalen Eliten, zwischen lokalen Unisex-Toiletten und globalen Regime-Changes oszillierend, sie schaffen es (hierzulande) bestenfalls noch, die olivgrün-bellizistischen Neulinken, die Antideutschen und die neue Sturmabteilung (Antifa 2.0) zu mobilisieren.

Aber das reicht nicht mehr!

Insofern sind Trump & Co. nur folgerichtig, setzen sich an die Spitze der Bewegung; fangen diese ein.

Bild des Benutzers Uwe Theel

1) Große Bitte:

Könntest Du; Bernd, mal bitte  Deine, mir sehr handgestrickt erscheinenden  Namen/Kategorien, wie

"die olivgrün-bellizistischen Neulinken, die Antideutschen und die neue Sturmabteilung (Antifa 2.0) "

konkreter definieren und mit seriösen Quellen belegen und außerdem erklären, wie du von diesen Parrallelen ziehen kannst zu den "liberale Eliten" in den USA, die dort Deinem Text nach dieselbe Funktion (???) haben wie die zuvor genannten Gruppen in Deutschland.

Bis hierher sieht das nur nach einem pauschalen, mehr vorurteilsgeladen Bashing aus, das Du als Amateurpolitkommentator gegenüber allem, was, jedenfalls Dir, "irgendwie" links erscheint, austeilst. Das klingt weder intelligent noch solidarisch, soll es wahrscheinlich auch gar nicht sein, oder?

2) Deine abenteuerliche Interpretation der gegenwärtigen Rolle Trumps ist  aus dem Text von Nafeez Ahmed jedenfalls nicht ableitbar, und auch sonst heißt etwas "interessant finden" erstmal gar nichts. Auch hier wieder Spökenkiekerei, statt politischer Analyse.

Trump als den Einheger des Kapitals, an der Spitze einer "Bewegung" (welcher eigentlich, der der o.a. "liberalen Eliten"), als im eigenen Auftrag unterwegs, darzustellen ist schlicht abenteuerlich. Wenn Du einmal den Wirtschaftsteil seriöser Zeitungen besser studieren tätest, könntest Du bemerken, dass die einschlägigen Wirtschaftskreise in USA und EU entsetzt sind, wie sehr Trump mit seinenm Protektionismus den Weltfreihandel gefährdet. Die "liberalen Eliten" demontieren im Augenblick über die Washington Post und NYT, etc eine "Führungskraft" Trumps nach der anderen und die Geheimdienste mißtrauen dem Weißen Haus wegen dessen realen Rußlandkontakten zutiefst. Trump hat sich nicht an die Spitze einer "Bewegung" gesetzt, er wurde, wenn überhaupt, vom Kapital auf sehr kompliziertem Wege eingesetzt, um mit Propagandamethoden das Volk (weltweit) populistisch einzulullen, während das Kapital hinter dieser Nebelwand weiter seinen Geschäften nachginge. Kapitalkrisenmanagement so herum schon eher. Wenn man hier aber überhaupt mal eine sinnvolle Idee haben könnte, dann die, zu bemerken, dass es hier nicht nur eine einzige Parallele zu Hitlers "Machtergreifung" in 1933 gibt: Dieser wurde zuvor vom Kapital auch massiv unterstützt, kam dann an die Macht, aber Militär und Adel, wie Großkapital waren dann doch erschreckt und ihr Vertreter Franz von Pappen verstieg sich zu der Prohezeiung "In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, daß er quietscht!" - Wir wissen, wie das ausgegangen ist und wer da wen eingefangen hat. Die vorausgegangene Weltwirtschaftskrise, bahnt sich zur Jetztzeit gerade wieder an.

Ob Rußland tatsächlich erfreut ist die westlichen Demokratien jetzt zu destabilisieren, wie durch die Mainstreampresse bei uns verbreitet wird, steht für mich dahin. Auch für Putin könnte da was nach hinten losgehen, wenn Trump darauf besteht, dass Rußland die Krim wieder rausrückt, wie Trump heute verlangt hat. Trump destabilisiert im  Augenblick den Nahen Osten (Israel/Palestina), das wird die Saudis freuen. Schöne Zeiten für Trump, er ist DER PRÄSIDENT, aber ansonsten steht Defcon 2 vor der Tür. Das einzige Land, das im Augenblick vielleicht, aber nur sehr vielleicht eine Gewinnsituation sehen könnten ist China.

P.S.: Auf welche Ideen darf ich denn jetzt DeinenTtexten gegenüber kommen, nachdem ich in mindestens  einem gerade das Wort "Bewegung" entdecken durfte surprise?

 

Bild des Benutzers ebertus

Über die/deren Bedeutung bist Du meinem Eindruck nach doch bestens informiert.

Und die von mir genannten Eliten haben nicht dieselbe Funktion wie die vorgenannten Gruppen, sondern und wie geschrieben können diese mobilisieren. Aber das reicht eben nicht (mehr)!

Daher und frei interpretiert: "The Trump regime was manufactured by the deep state", ob einvernehmlich oder über einen "war inside", getrieben von einer "systemic crisis" ist dabei zweitrangig. Es/er war notwendig!

Habe bereits mehrfach an anderer Stelle geschrieben, dass Pegida & Co. meiner Meinung nach Fleisch vom Fleische des Systems sind. Sie werden gebraucht, da die Einhegung zunehmender Teile der Gesellschaften auf herkömmlichen Weg (Einbindung als eine die Herrschaft akzeptierende Zivilgesellschaft) nicht mehr funktioniert.

Dazu als theoretischen Hintergrund endlich intensiver Gramsci zu lesen, das habe ich mir vorgenommen; Danke!

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Ansonsten, erkläre Du uns/mir doch mal (verständlich und auch mit schlichtem Gemüt nachvollziehbar), woher die zunehmend vielen Rechten, Neurechten, Neonazis, Rassisten, Fremdenfeinde, Hater, Faker, Antisemiten (noch wen vergessen?) kommen. Warum es sie in dieser zunehmend großen Zahl gibt - wenn es sie so wirklich gibt, das kein medial aufgeblasener Fake ist.

Woher kommen sie? Warum gibt es sie?

Bild des Benutzers Delloc

„… erkläre, woher die zunehmend vielen Rechten, Neurechten, Neonazis, Rassisten, Fremdenfeinde, Hater, Faker, Antisemiten (noch wen vergessen?) kommen. Warum es sie in dieser zunehmend großen Zahl gibt … Woher kommen sie? Warum gibt es sie?“

Es ist ein psychisches Problem: Es geht um Schuld/Frust und Kompensation qua Projektion nach außen. (Schuld im Sinne, was man sich selber an Lebensfreude und Sinnhaftigkeit schuldig bleibt.)

Der polit-ökonomische Gesamtzusammenhang hat ein Ausmaß der Verselbständigung und Machtfülle erreicht, das alle deutlich zu spüren bekommen, die Bürgerlichen Eliten wie die „Abgehängten“, Verwahrlosten, Verarmten, Entwurzelten und kritischen Geister.

Die alten Mechanismen von ideologischerer Beschönigung und Propaganda funktionieren nicht mehr. Selbst der liberale Musterschüler Deutschland gerät ins Wanken – trotz „Michel“, „schwäbischer Hausfrau“, „Häuslebauer“, „Export- und Fußballweltmeisterschaft“, „Tatort“, „Volksmusikfestivals“, „Mainzelmännchenidylle“, etc. etc.…

Sogar die ausgeprägte deutsche Obrigkeitshörigkeit schafft keine Ruhe mehr im Land – trotz Boulevardisierung der Medien und Personenfixiertheit: weil es keine Mächtigen mehr gibt, die dem Ganzen eine positive Richtung geben, die Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Die Konkurrenz ist total geworden und sie schafft jenes Chaos, das aus der Egomanie des Privaten hervorgeht. 

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Ja klar, "Die alten Mechanismen von ideologischerer Beschönigung und Propaganda" funktionieren nicht mehr; bzw. sind immer weniger wirkmächtig

Bis in die 90er und insbesondere in der westlichen Welt wollte man diese Erzählung gern glauben, dass Kapitalismus und Imperialismus gezähmt sind, das Ende der Geschichte dahingehend erreicht, der Hort des Bösen besiegt sei.

Aber dann haben die (liberalen?) Eliten überzogen, diese schöne, heimelige Erzählung nach und nach wieder eingesammelt ...

Zwischenzeitlich -Kreuzzüge gehen immer- wurde der Islam nach 2001 als Bösewicht aufgebaut, der Nahe und Mittlere Osten sowie Teile von Afrika in die Steinzeit zurück gebombt, dahingehende neue Völkerwanderungen ausgelöst, mittlerweile auch die Russen als Hort des Bösen wieder neu installiert.

Mit den Völkerwanderungen hat sich das spätkapitalistische System -neben der beinahe nur noch virtuell aufrecht erhaltenen Akkumulation, dem neuen Stamokap- jedoch nun ein weiteres Problem aufgehalst; müssen jetzt zunehmend eh schon Schwache gegen noch Schwächere aufgehetzt und ausgespielt, die Mauern höher gezogen werden, während gleichzeitig, mein Thema hier, die Deutungshoheit über die gesamtgesellschaftlich ablaufenden Prozesse schwindet; nicht zuletzt eben wegen der Möglichkeiten des Internet.

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@ Delloc Do, 16/02/2017 – 08:37

@ Ebertus Do, 16/02/2017 – 11:06

"Die alten Mechanismen von ideologischer Beschönigung und Propaganda" funktionieren allerbest – noch immer besorgen alltäglich Milliarden entmündigter Hamster, das Rad der gegenseitigen, weltweiten Ausbeutung.

Die Konkurrenz ist total geworden und sie schafft jenes Chaos, das aus der Egomanie des Privaten hervorgeht.“ sagt der Tiger und so sehe ich es auch.

Daran ändert diese mahnende Sicht einer (unserer?) verschwindenden Minderheit allein, aber entsetzlich wenig – solange sie ihre kleinen gedanklichen Fluchten (nichts anderes betreiben wir hier!) nur in abgeschotteten, privaten Fluchtburgen zelebriert – ohne dieses hirnlose, gedankliche Konstrukt der >>Konkurrenz<< real zu demontieren.

Die Heilsversprechungen der monopolistischen, globalen Tot-Konkurrierer verschweigen systematisch die Herkunft ihrer Beutegüter aus der menschlichen Kooperation. Der überwiegende Anteil unserer körperlichen Reproduktion entstammt der (bisher) nicht kapitalisierbaren, unentgeltlichen Kooperation – ohne die geraubten Teile dieser ursprünglichen Antriebskraft menschlichen Lebens entpuppt sich das kapitalistische Glaubensgebäude von >>Leistung & Gegenleistung<< als Zweck-Lüge der Ausbeutung.

Die hirnlose Anbetung der allgemeinen Käuflichkeit zwingt uns in Konkurrenz, wo längst alles (mehr als) ausreichend vorhanden ist. Nehmen wir uns alles vorhandene und verteilen es an alle, oder huldigen wir weiter dem Popanz?

Prekär sind wir menschlich, die Käuflichkeit erzieht uns zu büttelnden Bestien der aufgeblasenen Idiotie.

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@ Warum Erklären?

Ich bat Dich, mir etwas zu erklären, damit ich Dich verstehen kann.

Zur Sache:

Mir scheint bei Dir einiges in der Analyse durcheinander zu gehen: Wenn Du schreibst, dass die "genannten Eliten (...)  nicht dieselbe Funktion wie die vorgenannten Gruppen (haben), sondern (können)(...) wie geschrieben (...) diese mobilisieren.", dann bedarf das entschieden der Präzision: Unter "Elite" verstehst Du hoffentlich im US-Fall nichts anderes als das USA-Bewußtsein selbst, nähmlich die politische Machtelite Washingtons (sowohl auf Seiten der Republikaner, als auch der Demokraten), bzw. die Wirtschafts- und Militärelite zu der Trump sowohl gehört, wie ein vielleicht aufgeklärter Gates. Alle diese Teileliten immobilisieren die Massen seit Jahren in der Weise, dass das kapitalistische System bis heute noch nicht völlig zusammengebrochen ist. Den psychologischen Mechanismus dazu hat Delloc wunderbar beschrieben. Sie haben sogar die (wirklich linken) Gewerkschaften durch reale Verelendung, die das System nach wie vor produziert, klein bekommen und die schwarze US-Bürgerrechtsbewegung, kurz alle emanzipatorischen Kräfte, die diesen Namen verdienen, sehr schwerst angeschlagen, wenn in vielen Einzelfällen nicht vernichtet.

Im europäischen, deutschen Fall gibt es dieselben Eliten, aber diese haben nie die von ihnen soziologisch sehr verschiedenen "olivgrün-bellizistische Neulinke, die Antideutschen und die neue Sturmabteilung (Antifa 2.0)", mobilisiert. Das waren immer nur die Ränder, teilweise  oder ganz ins politische Abenteurertum abgerutschten Teile der Linken, die ich dann schon nicht mehr als links bezeichnen würde, die abfielen, als große Teile der bei Sozialdemokratie und Grünen versammelten (liberalsozialen) Linken in das genuin bürgerliche Lager bis hin in das immer schon existierende Viertel der Gesamtbevölkerung derer mit dem  "geschlossen rechten Weltbild" (Euphemismus der Shell-Studie für Faschismus) wechselte, nachdem der sozialistische Teil der SPD längst ausgestorben, abghalftert oder in verschwindender Minderheit in DIE LINKE aufgegangen ist.  Über die Anhängerschaft von CDU/CSU und FDP brauche ich hier nicht besonderers anderes sagen, es entwickelte sich dort analog.

Dieser Auflösungsprozess ist gekoppelt und wird gespeist durch einen Propagandapparat, den Chomsky für die zeitgenössischen USA beschrieben hat, der in den 20er-30er-Jahren über Hearst und Hugenberg verbreitet wurde und in der Goebbles-Maschine seinen höchste Wirkung erzielte. Beruhen tut ernachwievor auf der "Maschine Kapitalismus" schlechthin; Marx hat sie enthüllt.

Diese "Maschinen" haben über ihren  medialen Zweig schon immer "Lügen", "Fake-News", kurz Propaganda und Ideologie verbreitet. Was neu ist, ist, dass die Massen über das Internet mit dem kleinbürgerlichen Angstbewußtsein wie Delloc es skizzierte, über das ihnen durch die Herrschenden zugänglich gemachten Internet, selbst diese Maschine bedienen können und sich aus den genannten Gründen damit genauso belügen, wie sie belogen werden. Mangels jeglicher Professionalität und Zugang zu den eigentlichen Quellen, entsteht hier übermäßig viel Propaganda, die wiederum vom Apparat der echten Eliten gegen die Massen in bewährter Weise gewendet werden können, wenn diese nicht schon von sich aus ausreichend wirken sollten. Diese Arbeit wird letztlich also von nützlichen Idioten (hier: mehr im ursprünglichen Sinne von idiotes) geleistet. Trump ist hier übrigens die idealtypische Symbiose in sich selbst: Angehöriger der Elite und nützlicher Idiot in Einem (hier: mehr im umgangssprachlichen Sinne Idiot).

Also: Ja, es gibt (jede Menge) Fake-News, aber eben nicht nur von "Oben" und sie haben von "Oben" wie von "Unten" dieslbe fatale Wirkung der Betäubung: Ergo aktualisiere ich Charly: Medien sind das Opium des Volkes! - Nicht vergessen: Charly gab auch das Antidote bekannt: kritische Kritik und Revolution.

Ich hoffe, ich habe Deine Frage einigermaßen klar beantwortet. Kurz war sie auch deshalb, weil ich mich jetzt und auch in den nächsten Tagen unerfreulicheren Arbeiten, wie z.B. der, der Steuererklärung widmen muß, werde also im Blog wohl etwas kürzer treten müssen crying.

u.t

 

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Wo kommen Sie her, diese (vielen?) neuen Rechten? Warum gibt es sie?

"Was neu ist, dass die Massen über das Internet mit dem kleinbürgerlichen Angstbewußtsein wie Delloc es skizzierte, über das ihnen durch die Herrschenden zugänglich gemachten Internet, selbst diese Maschine bedienen können"

Ja, "Wer viel hat, hat viel zu verlieren"; sagt der Volksmund, ist es insofern schon die Frage, wer (mehr) Angst haben sollte, haben wird. Die fast alles Besitzenden selbst halten sich ja weitgehend aus diesem neuen Kampf der Kulturen heraus, herrschen primär über die auf ihren Payrolls stehenden Politiker und Medien, welche die Maschine bedienen. Die Beherrschten dagegen bedienen die Maschine selbst, dezentral und heterogen, mal stringenter und mal chaotischer. Und genau das macht sie zunehmend mächtig, wird ihre Einhegung immer aufwendiger, muß beinahe zwangsläufig immer überwachter und repressionsbehafteter sein.

Und/oder, so versuchen die politisch-medialen Eliten im Auftrage eben derer die viel zu verlieren haben, nun neue Sammlungsbewegungen zu schaffen, neue Identifikationsfiguren aufzubauen; und Trump ist dabei lediglich das momentan markanteste Exemplar. Geschaffen wird das pimär bis ausschließlich auf dem (herkömmlich) rechten Rand, weil die sog. Linken in der überwiegenden Zahl zu systemtreuen, olivgrünen Neulinken mutiert und bereits weitestgehend eingehegt sind, wirklich alles mitmachen.

Was oben im Blogtext zum BGE geschrieben ist, das scheint mir sehr grundsätzlich zu gelten. Wenn es den Kapitalismus so nicht mehr gibt, dann verliert die "Neue Linke", verlieren die systemfrommen Hütchenspieler ihre Existenzberechtigung. Genau deshalb verteidigen sie das System mittlerweile mit Zähnen und Klauen, haben Trump & Co. dabei lediglich eine ergänzende Funktion.

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@ ebertus - Do, 16/02/2017 - 13:38

Lieber Bernd, ich wiederhole mich ungern, aber Du verstehst meine Antworten, die ich auf Deine jetzt auch wiederholte Frage schon gegeben habe einfach nicht:

Der psychologische Teil, scheint Dir - wenn auch m.E. auch noch nicht 100%ig - relativ klar zu sein.

Der Sozio-ökonomische Teil liegt Dir vor der Nase. Stückweise formulierst Du ihn selbst, um im entscheidenden Moment offenbar die Übersicht zu verlieren und dann keine folgerichtigen Schlüsse daraus ziehen zu können, oder, Verzeihung, eben nur Kurzschlüsse.

Ich versuch`s nochmal:

In der Tat ist es neu, dass die Massen die Propagandamaschine jetzt selbst bedienen können. Sie bedienen Sie aber zum größten Teil, wie ich im letzten Kommentar schon sagte, genau im Sinne der Herrschenden, die Gründe sind genau die psychologischen wie die sozioökonomischen. Die massenhafte Nutzung des Internets ist unter den gegebenen Bedingungen des entwickelten Kapitalismus und dem Bewußseinsstand der Massen nicht massenhaft aufklärerisch oder emanzipatorisch wirksam. Es ist anlog der Nutzung des Radios in den 20 - 40er  Jahren des vergangenen Jahrhunderts: Nicht Brechts Radiotheorie setzte sich praktisch durch, sondern Goebbles Propagandathorie.

Alle "materiellen" Einzelheiten dazu erklärt eine linke Verelendungstheorie (aktuell:  Butterwegge) und die Kritische Kritik der politischen Ökonomie; aktualisiert versteht sich. Das führe ich hier jetzt nicht aus, ich setze einigermaßen fundierte Kenntnis voraus.

Was Deine Frage nach dem Warum der "Vielen" betrifft habe ich die Antwort darauf auch schon gegeben: Es gibt über Jahrzehnte hin und das war auch Anfang des letzten Jahrhunderts, vom Kaiserreich schon her, nicht anders und wurde durch den sogenannten Antibolschewismus von Hitler und Adenauer ausgebaut und weiter stabilisiert, einen 20-25%igen Anteil  von unmittelbar faschisierbarer, faschisierter Bevölkerung, die früher weitgehend stumm blieb oder "geblieben wurde", allenfalls protestwählen konnte, soweit es überhaupt Wahlen, oder was zu wählen gab und jetzt unter der Kontrolle der Herrschenden sich selbst besch...en und das eben so massenhaft, wie die Gruppe groß ist und unbegrenzt sich des Internets bedienen kann. Da wird die Wirkung gegenüber den Anfängen der Massenkommunikation schon mal mehr als verdoppelt. Wo den Herrschenden das zu undiszipliniert wird, schalten sie das auch wieder ab (China macht das so und die USA so).

Die Medien sind das Opium des Volkes!

Der Kapitalismus schafft sich selbst zu Tode. Und: Wer bedient, aber beherrscht diese Maschinenicht ? - Das Volk.

Daher: Ein Ende der Herrschaft des Menschen über den Menschen.

Verzeihe mir, wenn ich auf den zweiten Teil Deines Kommentares nicht eingehe, aber der ist mir zu wirr und macht, wo ich etwas erkennen kann, keine richtigen Aussagen. Es macht z.B. keinen Sinn auf der einen Seite anzuerkennen dass der Kapitalismus nicht einhegbar sei, aber dann irgendwie doch sein praktisch schon eingetretenes Ende anzunehmen. Mit Deinen "neulinken" Sturmtruppen kann ich so, wie Du sie einordnest, überhaupt nichts anfangen, abgesehen davon, dass ich das Allermeiste davon niemals als linke Aggegate bezeichnen würde, aber auch das sagte ich schon.

Sei weiter besorgt: Der Kapitalismus lebt. Sein Todeskampf  ist ein langer und wird, fürchte ich, noch weiter lang sein. Es kann nicht darum  gehen, laufend allen politischen  oder sonstigen Phänomenen die Vorsilbe "post"- zu geben und dann, ohne jede wirkliche Fernsicht zu haben, zu spekulieren, was da  alles so sein würde und es für die Gegenwart schon voreilig anzunehmen: Postkapitalismus, also das Ende des Kapitalismus. "post" das ist, so wie es im Mainstream gedacht, aber nicht erkannt wird: Kapitalismus "nach" dem Kapitalismus.

La lotta continua.

So, und jetzt setze ich mir einen Tee auf.

u.

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Das mit den vielen, vielen neuen Rechten ist also ein Fake ...

20 bis 25 Prozent sind dahingehend eh böse, sind also Faschisten per Definition; die früher weitgehend stumm blieb oder "geblieben wurde"

Da haben wir anderen 70 bis 75 Prozent ja noch Luft nach oben, sind das Volk; wenngleich diese Bösen im Moment lautstark meinen, sich der Maschine bedienen zu können; im Rahmen ihrer natürlich bescheidenen, intellektuell äußerst begrenzten Möglichkeiten.

Denn ...:"Da wird die Wirkung gegenüber den Anfängen der Massenkommunikation schon mal mehr als verdoppelt.", sind das gefühlt jetzt 40 bis über 50 Prozent. Daher dieser (gespielte) Aufschrei der Guten, der echt 75er.

Auch klar, warum bin ich da nur nicht früher d'rauf gekommen:

"Die massenhafte Nutzung des Internets ist unter den gegebenen Bedingungen des entwickelten Kapitalismus und dem Bewußseinsstand der Massen nicht massenhaft aufklärerisch oder emanzipatorisch wirksam."

Danke, das ist ehrlich. Ja, nur immer KenFM und Kopp-Verlag etc. Das hält niemand lange aus. Aber Hilfe naht:

"Wo den Herrschenden das zu undiszipliniert wird, schalten sie das auch wieder ab (China macht das so und die USA so)."

Alles in allem äußerst beruhigend, Danke! Heute ist (für mich) ein guter Tag:

"Der Kapitalismus lebt", kommt bestenfalls ein "Kapitalismus "nach" dem Kapitalismus."

- - - - -

Sag mal Uwe, hat man Dich, Euch Marxisten schon so uniform, so fromm, so bar jeder Restresistenz eingemeindet? Habt ihr in dem Euch zugewiesenen Neuland freiwillig platz genommen? Ist es bequem in der Höhle/Zelle? Dieser Raum vielleicht gar fensterlos?

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@ ebertus - Do, 16/02/2017 - 16:28

 

Lieber Bernd, einer meiner Englischlehrer fragte uns immer "Jungs, wollt´r nicht oder könnt´r nicht?"

Wie Du meinen kannst, dass ich abstritte, dass es "viele" Fakes gäbe ist mir schleierhaft. Ich betonte gerade, daß das Internet  praktisch der ganzen Bevölkerung, also 98 Pozent (bei 2% Eliten) Unfug im Internet zu treiben möglich macht, von den Multiplikationen noch gar nicht gesprochen, fügte allerdings hinzu, dass dieser Unfug (= die "fakes") dem System der herrschenden 2% auf´s Beste diene. - Wie verschlafen darf man sein, das nicht zu begreifen.

Da Du nicht vom Fach  bist, kann ich verstehen, dass Du den Unterschied von faschisierbar und faschistisch nicht begreifst und mir erneut mit einem wahlweise Afd- oder CDU/CSU/SPD/GRÜNEN-Argument kommst: "Nicht alle AfDler seien Faschisten". Stimmt, aber schauen wir auf die verfügbaren Zahlen, dann wird die AfD  von 50 Prozent der genannten  25%  mit "geschlossenem rechten Weltbild" gewählt. Wenn von denen sagen wir 5 %  echte Faschisten sind, dann sind das auf 80.000.000 bezogen Das-kannst-Du-Dir-selbst-ausrechnen % von uns allen. Aber Du hast bestimmt die genauen Zahlen.

Da die Produktivität des Internets sehr hoch ist, können wenige Idioten mit Unterstützung des Systems sehr viel Unfug machen und man muß nicht erst Faschist sein, um Unfug und Schlimmeres zu verbreiten.

Wenn Du im Folgenden Deines Posts meine Ist-Beschreibung, schon diese nicht verstehend, mit müder Ironie lächerlich zu machen versuchst, dann kann ich das allenfalls mit viel Wohllwollen noch lustig finden, aber zum Witze machen auf der Ebene bin ich nicht hier. Wirklich etwas erfahren, was Dir angeblich vorher nicht schon "klar" war, willst Du ja anscheinend nicht. Wer fragt, will etwas wissen, was er nicht weiß. Der Antwort kann er widersprechen, aber dann mit Argument und nicht mit "ironischen Gegenfragen" um die eigenen nur von ihm selbst angenommene Überlegenheit ( er hat ja schon alle Antworten) zu zeigen, völlig uninteressiert an der Botschaft des anderen seiend. - Macht keinen Spaß so.

Nochmal zur Sache: Die Deutungshoheit der Mächtigen schwindet übrigens keineswegs, wie Du mit Deinem Blogtext annimmst. Zwar glauben die Ohnmächtigen zunehmend nicht mehr an die Deutungen der Mächtigen, aber solange  die dagegengesetzten  Deutungen der Ohnmächtigen den Mächtigen nur dienen, bzw. noch abwegiger sind als sprichwörtlich die Polizei erlaubt, bleibt die Deutungshoheit und damit die Macht bei den Herrschenden. Schon Madison sagte, daß alle Regierungsmacht auf Meinung beruhe und Meinung war für Ihn, wie für Hannah Arendt, die Menge der gesammelten Vorurteile des Volkes (Du erinnerst Dich an meine Ausführungen zu Meinung und Vernunftwahrheit?). Wenn Trump z.B. diese Vorurteile/Meinungen als Regierungsprogramm ausgibt, darf man sich nicht wundern, dass er zum mächtigsten Mann der Welt von genau einem Viertel (25% !!!!, klingelts?) der US-Bevölkerung gewählt wird. Da Du aber nicht sehr viel Ahnung zu haben scheinst, wie "Meinung des Volkes" unter kapitalistischen Zuständen zustande kommt, welche Inhalte sie annimmt und wie sie zu bewerten ist, ist mir Dein Unverständnis erklärlich. Du mußt wissen, warum Du in diesem unaufgeklärten Zustande (Kant) verharrst. Ken Jebsen wird Dir da nicht heraushelfen, ich wohl auch nicht, wenn auch aus anderen Gründen.

Hier bei den Termiten wären Diskussionen zu führen, wie sie Hadie, Fahrwax, Delloc und meine Wenigkeit versuchen, nicht Spökenkiekereien wie die von marie, oder immer nur Deinen unverrückbaren bürgerlich-konservativen Optimismus als linkes, emanzipatorisches Denken auzugeben.

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Von Dir hier das "Sag mal Uwe, hat man Dich, Euch Marxisten schon so uniform, so fromm, so bar jeder Restresistenz eingemeindet? Habt ihr in dem Euch zugewiesenen Neuland freiwillig platz genommen? Ist es bequem in der Höhle/Zelle? Dieser Raum vielleicht gar fensterlos?" lesen zu müssen schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Du wunderst und empörst Dich über die bestehenden Verhältnisse. mit meinen Erklärungen hinsichtlich guter Gründe für diese Empörung, bist Du, weil Du sie nicht verstehst, Deine eigene Meinung niemals anzweifelst, nicht zufrieden. Meiner Ansichten wegen dann aber mich der mangelnden Resistenz dem System gegenüber zu zeihen, ist nur noch unverschämt. Was weißt Du von meinem Leben? Wieviel Ahnung hast Du von dem, was Links ist? Du bist kein Linker. Du willst nicht einmal wissen, was links wirklich ist, schwingst Dich aber hier mit bürgerlicher Bräsigkeit zum Entscheider auf, was Links sei und steckst den Anderen dann in eine Deiner gewöhnlichen Schubladen die die Etiketten Deiner Vorurteile tragen. Pass bloß auf, dass ich nicht die Schublade für Dich aufmache, in die Du Dich, wahnhaft, von mir immer schon gelegt fühlst und zwar unabhängig davon, ob Du da hinein gehörst oder nicht!

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@ Uwe Theel

..... wo steht der Feind / geht's heute zur Front?

Post vom Kapitalismus-Kolonialismus-Imperialismus ist täglich, bunt & vielfarbig im Briefkasten.

Aber wo sind, nach dem Tee, die Commons von La lotta continua?

Mag sein, das mir gerade ein Stück (unfruchtbarer) Schiene fehlt, aber trotzdem.......

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Lieber Fahrwax, keine Ahnung von wem Du so alles Post kriegst, aber ich habe nur versucht die Fragen, die Bernd stellt zu beantworten. Wenn man dann mehrfach gegen gewisse "Meinungen" prallt, kriegt man schon mal Kopfschmerzen.

Die alte Parole bezieht sich auf die, von denen Bernd annimmt, dass ich sie nicht angreife, wenn ich ihm auf seine Fragen antworte, warum die, über die er sich empört, empörendswert sind.. Langsam weiß ich nur nicht mehr wen Bernd außer mir empörendswert findet.

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...... ist, seiner Natur gemäß, ein hartes & entbehrungsreiches. Da könnte ich dir längere, traurige, Weisen singen......

Kopfschmerzen gehören einfach dazu. Aber Bernd bekommt die locker vermieden, meistens......

 

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Lieber Bernd, vorweg, ich stufe Dich weder als Faschisten noch als AfL-Kappe oderPEGIDA- Mitläufer ein, aber es erschreckt mich, macht mich ratlos, wenn ich bei Dir lese

"Trump hat übernommen, weil die liberalen Eliten die aufziehende Crisis nicht mehr beherrschen.

Diese liberalen Eliten, zwischen lokalen Unisex-Toiletten und globalen Regime-Changes oszillierend, sie schaffen es (hierzulande) bestenfalls noch, die olivgrün-bellizistischen Neulinken, die Antideutschen und die neue Sturmabteilung (Antifa 2.0) zu mobilisieren.

Aber das reicht nicht mehr! Insofern sind Trump & Co. nur folgerichtig, ..."

und in dem AfL-Kommentar des Joachim Paul, der den Wahlsieg Trumps begrüßt

Trump siegt über Clinton: Kernschmelze des linksliberalen Establishments

praktisch dieselben Gedanken ausgedrückt finde:

"Die linken Eliten urbaner Zentren, die sich damit begnügten „hipp“ zu sein und sich eingeredet haben, dass ihr Lifestyle allgemeingültige Moral und „richtige“ Politik sei, merken nun, dass sie sich nur mit sich selbst multipliziert haben. Eine signifikante große Zahl von Menschen – wahrscheinlich eine (noch) schweigende Mehrheit – will sich ihnen nicht mehr unterordnen. Menschen auf dem Land, der kleine Mann, Bürger, die ihre kulturelle Identität nicht in Multikulti-Träumen aufgelöst sehen wollen und Arbeitnehmer, die den Freihandelsversprechen der Globalisierer misstrauen und merken, dass eine weltoffene Finanzoligarchie ihren Wohlstand verspielt. Sie alle machen nicht mehr mit: in Europa, und nun auch in den USA."

und der die AfL als Lösung anbietet:

"Klar ist: wir erleben einen politischen Generationenwechsel, eine langsame Kernschmelze des linken Establishments des Westens. Machen wir uns keine Sorgen: weder die Meinungsmacher noch die politisch Verantwortlichen werden ihre Politik, ihre Sicht auf die Welt – und schon gar nicht sich selbst – in Frage stellen und irgendetwas ändern. Denn eine weitere verbindende Klammer zwischen Clinton, Merkel, Stegner und Augstein (Spiegel-Online) ist die sture Realitätsverweigerung und die Abwertung all jener als „Pack“, „Pöbel“, „Abgehängte“ und „Verlierer“ die nicht so wollen wie sie. Das sind gute Nachrichten! Denn so bleibt den neuen jungkonservativen Volksparteien und –Bewegungen genug Raum zur Entfaltung. Unsere Zeit kommt, und sie kommt bald."

Hadie hat in seinem Kommentar Der Tiefe Staat mit dem Textauschnitt von Nafeez Ahmed  (ich zitiere die Kernaussage):

"Das Trump-Regime operiert nicht außerhalb des Tiefen Staates, sondern mobilisiert in ihm Elemente, um ihn für eine neue Mission zu beherrschen und zu stärken. Das Trump-Regime will das Establishment nicht stürzen, sondern es gegen eine wahrgenommene Krise eines breiteren transnationalen Tiefen Systems festigen.
   Das Trump-Regime ist kein konservativer Aufstand gegen die liberale Establisment, sondern ein Akt der ideologischen Konstruktion der aktuellen Krise als konservativ-liberales Konfliktfeld, das von einer besonders radikalen weißen nationalistischen Fraktion einer globalen Elite geleitet wird. Sein Handeln ist ein direktes Produkt einer globalen systemischen Krise, es ist aber eine kurzsichtige und schlecht konzipierte Reaktion, die mit den Oberflächensymptomen dieser Krise beschäftigt ist."

eine diametral entgegengesetzte, nämlich genuin links formulierte  Erklärung gegeben, die Trump und die Neurechte in Europa als Ausdruck und Folge des Versagens des kapitalistischen Systems selbst, seiner Krise und nicht als Folge des Versagens der linken Eliten, d.h. deren linker Agenda als linker Agenda (wie Du es anscheinend und die Neurechte mit Sicherheit behauptet) tatsächlich erklären kann. Nafeez Ahmeds Kritik an der Linken dabei zielt nur auf den Umstand, dass die Linke Art und Gefährlichkeit der neurechten Reaktion nicht richtig erkannt hat und taktisch und strategisch in der Abwehr nicht ensprechend richtig reagiert hat.

Darin besteht der Unterschied zwische linker bezw. rechter Erklärung der jetzigen Lage. Es gibt keine Extreme, die sich gegenseitig berühren, nach dem Motto Wagenknecht redet wie Petry.

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@ hadie - Mi, 15/02/2017 - 14:56

Danke Hadie für den Text von Nafeez Ahmed, der hier die Dinge mal vom Kopf auf die Füße gestellt hat.

u.t.

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Wen der "Linke" Blockwart auf die Kacke haut, spritzt die bis in den Himmel der Sprachpolizei:

( ohne bewußtseinerweiternden "Lohnsklaven-Ball" bleibt dieser eitle Kaneval / Fasching der vordergründig linken, demonstrierten Bewußtlosigkeit schlicht unerträglich!)

Vor langer Zeit habe ich in der Flüchtlingshilfe einer Großstadt mitgemacht. Im Freitag schrieb ich es mal: Es kamen dann immer mehr Typen, die konkret nichts auf die Reihe brachten, aber sehr genau wussten, wie man das zu formulieren hatte.

Als ich zurück nach Berlin kam und mir Sachen suchte, bei denen ich mich engagieren könnte, fand ich, und das hätte mich interessiert weil ich davon ein wenig Ahnung und Spaß daran habe, ein Projekt, dass Fahrräder für Flüchtlinge und Zuwanderer sammelte, reparierte und vergab. Die schrieben, dass sie ihre Tätigkeit bis auf weiteres eingestellt hätten, um sich der Kritik - die sie, wie sie erklärten- sehr ernst nahmen, zu stellen.
Sie wären ein "rein weißes" Projekt, dass in seiner Arbeit rassistische Muster reproduziere (Aus der Erinnerung wiedergegeben, habe die Seite jetzt nicht mehr gefunden)
Ich weiß nicht, ob sie ihren internen Diskussionsprozess bereits beendet haben und wieder Räder für Flüchtlinge beschaffen. Vielleicht haben sie jetzt einen Vorzeigeneger dabei. Jedenfalls hatte ich keine Lust in einem Kollektiv mitzumachen, dass seine vernünftige und nützliche Arbeit einstellte, um einem diesem ideologischen Unfug gerecht zu werden. Das hatte ich Jahrzehnte zuvor schon und brauche ich nicht noch mal.

Als ich mir das Video anschaute, dass Sie oben eingebettet haben, habe ich auch in so ein paar Sachen reingeschaut, die die Google meint, mir vorschlagen zu müssen. Dabei einer von RTD, über die amerikanische Antifa. Übrigens gute journalistische Arbeit. Alle Seiten kamen selbst zu Wort und die Journalisten unterließen es mir vorzuschreiben, was ich für richtig zu halten habe. Schon klar, dass die MSM Angst vor denen haben.
Aber was ich sagen will ist, dass ich bei denen, die vor die Kamera gingen, um ihren entschiedenen Widerstand gegen den Faschismus zu begründen, bei diesen Milchgesichtern, diesen leptosomen oder anämischen Wichteln überlegte, wie es denn wäre, wenn sie wirklich Faschos als Gegner hätten

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Robert sagt: "bei diesen Milchgesichtern, diesen leptosomen oder anämischen Wichteln überlegte, wie es denn wäre, wenn sie wirklich Faschos als Gegner hätten"

Uwe Theel sagt: Ich sage Dir Robert, was ich denke, daß Du tun würdest, wenn Du das erleben würdest: Du würdest, so wie Du redest, das tun, was die Faschos in Deinen Augen tun würden und nicht nur deswegen, weil die Faschos es sonst Dir gleich mit täten, wie denen von Dir so inhuman titulierten.