13 Jan 2017

Frau Bala Blaa darf mitmachen; Gratis!

Submitted by ebertus

Nun kann sich Sascha Lobo mit Sicherheit nicht aussuchen, in welchem (redaktionellen) Spiegel-Umfeld seine hoch qualitativen, nicht mal via Laterpay geschützten Kolumnen erscheinen.

Lobo habe ich früher gern gelesen, den Spiegel noch viel früher ebenfalls. Und der Anlass, damals in 1997 einfach mit dem Kauf des Spiegel aufzuhören, der hatte, meiner Erinnerung nach, nicht wirklich etwas mit der heute und nach meinem Eindruck eher transatlantisch-bellizistisch, populistisch-neoliberal gefärbten  Blattlinie zu tun; wollte einfach die zunehmende Werbelastigkeit (gefühlt rund 60% der Blattfläche) nicht mehr über mich ergehen lassen.

Und Lobo, auch sein jüngster Erguss, das passt mittlerweile genau dort rein, politisch korrekt, ansonsten eher in der Deckung bleibend.

Keine Ahnung, wer mir diesen Text von Sascha Lobo kürzlich verlinkt hat; und warum ... Ich selbst schaue beim Speigel kaum noch freiwillig, gar aus eigener Initiative rein; und das mag auch an dem neuen Werbeoverkill liegen, den mein Adblocker noch nicht richtig im Griff hat.
 


 Alle Bilder sind Screenshoots der in einen redaktionellen Spiegel-Artikel eingebetteten Werbung (Link zum Text weiter oben)

Zuerst (ganz links) erscheint ein flotter Dreier-Kombi, dessen Plazierung für (arme) Werbetreibende wahrscheinlich günstiger ist, als die sich anschließende volle Dröhnung eines bekannten Marktes für Brot und Spiele. Bei dem, so ein Zufall, dürfte der genannte Scherz doch als ernste Aufforderung verstanden werden, wollte den mir verbliebenen Restintellekt triggern, mehr strapazieren als den des Sascha.

Ok, irgendwie muss ja auch der Spiegel den Lohn für seine Kolumnisten erwirschaften.

Gemäß dem dritten Bild (von links) darf der Delinquent nun zustimmen, von bis zu vierzehn weiteren Partnern Werbung verabreicht zu bekommen. Einige zustimmende, sich als Schnäppchenjäger outende Eingaben später scheint auch diese Hürde genommen. Frau Blaa ist verifiziert und darf nun gratis mitmachen.

Klar, wer an diesen Spielchen -im Umfeld von Lobo, provozierend gesagt- freiwillig teilnimmt, der verdient es nicht anders, als dass die angegebene Mailadresse zugespamt wird. Nur steht manchmal auch einem eher seriösen (Geschäfts)Partner das für den betriebswirtschaftlichen Exodus sorgende Wasser bereits bis zum Hals, werden die wertvollen Daten dann in der Not auch schon mal verkauft.

Bei meinem Mailaccount (Posteo) helfe ich mir damit, eine kleine Filterliste zu pflegen und die darüber identifizierten Mails in einen Ordner zu leiten, den ich einmal im Monat kurz überfliege; dann lösche.

Kommentare

Bild des Benutzers hadie

Auf dem 33C3 gab es einen interessanten Vortrag von D. Kriesel über "Spiegelmining", der die Datensammelwut umdreht -

http://www.dkriesel.com/spiegelmining

Bild des Benutzers ebertus

für die Ermahnung ... Das Teil liegt bei mir auf Halde, wartet darauf endlich überbracht zu werden.

Und klar, für Bruteforce-Dataminig brauchen die kaum noch persönlich Daten, wird das alles via dem Browser-Fingerprint erfasst und dann in jeder Breite und Tiefe ausgewertet. Selbst Totalverweigerung hilft da nicht immer, sind zumindest die Metadaten, auch die bei WhatsApp aka Facebook zu hinterlegende Handynummer ebenfalls sehr wertvoll.

Bild des Benutzers ebertus

Als alter Anarchist bin ich einerseits der Meinung, dass das Internet ein freies ist; und bleiben muß!

Andererseits wollte ich das private Eigentum in sozialverträglichen Grenzen akzeptieren, soweit und was das hier ventilierte Thema Medien und Werbung angeht, eine freie Auswahl besteht, ein "Nein"-sagen möglich ist. Also keine GEZ-Zwangsstrukturen für eine (von mir) nicht bestellte Propaganda.

Medien gehören eher nicht zu den Dingen, die auf der untersten Ebene dieser bekannten Maslow-Pyramide als existenznotwendig anzusehen sind. Daher ist der gern hervorgebrachte Spruch von den ach so qualitätshaltigen medialen Inhalten -die doch bitteschön ihren Preis wert sind- eine sehr partikulare Meinung; nicht mehr der zweihundert von Paul Sethe genannten Medienmacher und Besitzer, heute bestenfalls noch derer zwanzig.

Und wer von denen einen wie auch immer gearteten Paywall, eine Bezahlschranke hochziehen wollte, der möge es tun. Ich finde das ehrlicher, als diese embedded - Werbung, welche im Blogtext am Beispiel des Spiegel thematisiert wird. Der Form halber steht (dort) noch das Wörtchen "Anzeige" dabei, aber die Grenzen sind fließend; und Journalismus zunehmend prekär vergütet.

Bild des Benutzers hadie

"Sezession unterscheidet ab sofort frei zugängliche Beiträge von sogenannten Premium-Artikeln, die nur lesen kann, wer entweder die Druckausgabe abonniert hat oder einen halbjährlichen online-Beitrag leistet. Etwa ein Fünftel der Beiträge wird hinter diese Bezahlschranke gestellt."

Erst einmal abwarten, ob wirklich Substanzielles hinter der Bezahlschranke verschwindet, denn "die bedeutendste rechtsintellektuelle Zeitschrift in Deutschland" hat zwei Probleme: einmal wollen sie ihre Produkte bewerben (sind also schon werbefinanziert) und dann haben sie ein heftiges politisches Sendungsbewußtsein, das an die Öffentlichkeit der Kostenlos-Kultur drängt.

http://sezession.de/56959/

Bild des Benutzers ebertus

"die bedeutendste rechtsintellektuelle Zeitschrift in Deutschland",

gilt für deren Inhalte das Gleiche wie für die selbsternannt Guten, die Großmedien, die DWN etc: feel free to charge ...

Bild des Benutzers Heinz

Mir sind inzwischen Adblocker Blocker begegnet.

Das bedeutet, die Werbebranche will mit brachialer Gewalt ihre Werbung durchdrücken und akzeptiert einen Adblocker nicht. Anders ausgedrückt, die wollen die »Lufthoheit in dieser Schlacht

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Krieg der Medien - Medien im Krieg / Prof. Dr. Jörg Becker - via weltnetz.tv

Jörg Becker habe ich vor gut einem Jahr bei dieser Veranstaltung von Sabine Schiffer kennengelernt, hatten wir im Anschluß an den offiziellen Teil auch Gelegenheit, einige persönliche und dennoch sehr politische Worte zu wechseln.

Eben ein Anti-Lobo, dem systemfromme Konformität konsequent abgeht.

Bild des Benutzers Heinz

Diese Propaganda war ja schon »1.000 Jahre« bewährt und hat mit Bild, Buchclub und Glotze ihr Potenzial dramatisch vergrößert.

Die Zusammenhänge sind bekannt, werden nur nicht zur Kenntnis genommen oder ausgeblendet, weil dies vielen Leuten zu komplex scheint.

Siehe => Uwe Krüger: Meinungsmacht

Damit scheint die Meinungsmacht der Medien groß zu sein, letztendlich sind das Nützliche Idioten von Wirtschaft und Politik, die Medien nur als Kanal der Indoktrination benutzen.

Dagegen hilft nur Aufdecken von Lügen. Das hatte dereinst der Spiegel getan (z.B. Karl Jaspers) und ist heute das Geschäft des Internets für eine breite Öffentlichkeit.

Bild des Benutzers ebertus

Schön zu erleben, wie so ein Blogbeitrag auch in positivem Sinne übernommen werden kann.

Paul Collier hatte ich wohl gar selbst hier eingeführt, war es eine Empfehlung von PLEIFEL in der FC. Die Mitdiskutanten dort, Jose und meine Wenigkeit sind beim Freitag mittlerweile "Ehemalige"; was bei dem Thema natürlich immer eine Gratwanderung ist.

Und ich bleibe dabei, als eine Art Nachschlagewerk und jenseits gefestigter, allwissender Unfehlbarkeit kann auch ein (vermeintlich) Neoliberaler wie Collier zum Weiterdenken anregen.