22 Jan 2016

Mach's noch einmal Jan ...

Submitted by ebertus

Böse. Ganz Böse. Rechts. Nachdem sich Jan Fleischhauer erst kürzlich als Nestbeschmutzer nicht zu schade war, einen sog. Erziehungsjournalismus erkannte, so legt er nun sehr deutlich nach.

Und beinahe en passant verbrät Fleischhauer all' die mehr oder weniger echt bis entrüstet vorgetragenen, oft gespielten Nickligkeiten; auch zu den Diskursen hier in der FC.

Eigentlich gibt er den Niggemeier, betreibt Medienkritik von innen; und aus einer Position heraus, die der Niggemeier wohl gern hätte, sich das trauen müsste.

Die Kritik an den selbsternannten McCarthyisten von "Report Mainz" ist nur die Aufwärmphase, dann wird Fleischhauer deutlicher, grundsätzlicher, spöttischer, sarkastischer.

"Die Debatte zur Flüchtlingskrise ist in das Stadium der Hysterie eingetreten. Kaum ein Beitrag, der nicht die Warnung vor der "Neuen Rechten" enthält, die angeblich ihre Stunde gekommen sieht. Mit jedem Prozentpunkt, den die AfD in den Umfragen gewinnt, steigt der Wunsch, dem Rechtsruck etwas entgegenzusetzen."

Operative Hektik ist angesagt, die staatsräsonal agierende Legislative und Exekutive -mit einem allumfassenden Gewaltmonopol ausgestattet, die ehemals linken, ehemals kritisch hinterfragenden Großmedien at hand-  sie scheint nur noch Beiwerk, treiben diese (Neu)Rechten den Staat vor sich her.

Dem muss etwas entgegengesetzt werden; wird es:

"Ins rechte Lager fallen längst nicht mehr nur Leute, die dem Dritten Reich nachtrauern, Ausländern nachstellen oder vor Asylheimen Hassparolen skandieren. Das Etikett wird jedem ans Revers geklebt, von dem man annimmt, dass er mit den falschen Ideen sympathisiert."

Und das kann jede(n) treffen. Während der inflationäre Gebrauch des Antisemitismusvorwurfs primär den sog. Antideutschen vorbehalten war, ist die Zuweisung eines "neurechts" vollkommen losgelöst; auch von Israel.

"Wo nichts Belastbares zu finden ist, gilt die Schuld per assoziativer Nähe. Dann bewegt man sich eben im "Dunstkreis" der neuen Rechten. Wenn man das Netz weit genug spannt, landet man irgendwann bei einem wie Matthias Matussek, weil der für die "Junge Freiheit" mal einen Journalistenpreis übergeben hat."

Hervorhebung vom Blogautor; wird so Manche(r) diese nicht mehr ganz frischen Leichen noch im Keller haben, darf dann plötzlich kein Guter mehr sein. "Assoziative Nähe", den merk' ich mir.

"Ich halte Angela Merkel weder für eine Agentin Israels noch für eine Schläferin der amerikanischen Hochfinanz."

Ich auch nicht, aber gemäß Snowden wurde sie von unseren ziemlich besten Freunden -wohl nicht grundlos- vollumfänglich überwacht, gibt Josef Foschepoth via der hoffentlich unverdächtigen, noch nicht assoziativ nahe seienden SZ bereits in 2013 den Naidoo. Ansonsten gilt gemäß dem hierzulande nun ebenfalls eingemeindeten Bush-Sprech:

"you're either with us, or against us"

In den Worten von Fleischhauer:

"Wer nicht entschieden genug gegen rechts auftritt, der ist ein Kollaborateur, so geht im Augenblick die Logik."

Und zur AfD dann ganz unaufgeregt:

"Trotzdem glaube ich nicht, dass Deutschland untergeht, wenn Frauke Petry und ihre Leute im März auch in Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz ins Parlament einziehen. Wenn zehn Prozent die AfD wählen, haben 90 Prozent sie nicht gewählt."

Ok, diese 90% sollten natürlich auch in Relation zu den jeweiligen Wahlbeteiligungen gesetzt werden, gab es doch zu den letzten Landtagswahlen in Hamburg und Bremen bereits Wahlkreise, bei denen die  Mitwirkung an hehren, demokratischen Prozessen lediglich bei 30% lag.

What about those people ...?

Das Schlußwort, das Wort zum Freitag:

"Wer jeden als rechts bezeichnet, dessen Meinung ihm nicht passt, sorgt selbst dafür, dass das Wort nichts mehr wert ist. Das ist die Ironie des inflationären Gebrauchs. Wenn alle rechts außen sind, ist am Ende egal, wer es wirklich ist und wer nicht."

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Ja, so ist er, unser Spiegel. Einerseits und vielfach lediglich Abspielkanal von Agenturmeldungen, versetzt mit ebenso agenturigen, oft martialischen Bildern,

andererseits und via mancher seiner Kolumnisten durchaus noch meinungsstark. Georg Diez und Jan Fleischhauer, mit denen ich oft nur sehr partiell konform gehen mag, sie zählen für mich dazu.

Das gar notwendige, heimelige Kontrastprogramm bilden nach meinem Eindruck mittlerweile glattgeschliffene Systemer wie Sascha Lobo oder menschelnde Gouvernanten wie Sibylle Berg.

Anything goes ...

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Jan Fleischhauer - wohl nicht nur zur Flüchtlingsdebatte