15 Sep 2015

DORTMUND 2015

Submitted by fahrwax

1000 Helfer aus Dortmund helfen jeden Tag Flüchtlingen. Bringen alles aus eigenen Mitteln auf. Zeit.Geld.Herz. Schwierige Worte aber einfach gesagt: DANKE !

Cem ist #trainofhopeDO-Helfer der ersten Stunde und hat immer wieder gefilmt. Sein Video:

Kommentare

Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie viele Menschen spontan für die unmittelbare Flüchtlingshilfe zu bewegen waren.

 

Und doch bleibt bei mir eine unglaubliche Beklemmung bei diesem medial inszenierten "Sommermärchen" zurück:

1. Wenn ich sehe, wie stark zu Zeiten noch des Irakkrieges auch eine politische Antwort auf die Zumutungen der kriegerischen Zerstörung eines Landes durch das US-Militär & "willige" Nato-"Partner" erfolgte, erschreckt mich, dass dies inzwischen nahezu gänzlich ausbleibt. Eine noch so wohlgemeinte Notversorgung wiegt ja nun noch nicht einmal im Ansatz die Beschädigungen auf, die die Zerstörung ihrer Lebenszusammenhänge & die jahrelangen Kriegstraumata verursacht haben.

Caritas ohne politische Solidarität erscheint mir aber als nur halbe Solidarität.

 

2. Als jemand der im Schuldienst in einer Gegend arbeitet, in der seit den 90ern unzählig viele Kinder gehen, deren Familien Kriegsgrauen entflohen sind, weiß ich, dass die Menschen nicht über Tage, Wochen, Monate Hilfe brauchen, sondern über Jahrzehnte. Die Mittel dafür werden aber kontinuierlich im Zuge der neoliberalen Kahlschlagpolitik gekürzt.

Selbst diese Hilfe erfordert langfristige politische Aktivität. Wird diese aus der spontanen Flüchtlingshilfe erwachsen? Ich zweifel da ein wenig.

 

3. Wenn die Länder, die durch den Krieg zerstört wurden, nicht langfristig "failed states" bleiben sollen, dann brauchen sie doch auch langfristig die Manpower zurück, die gerade durch einen gigantischen Aderlass aus ihnen herausfließt. Tun wir diesen Ländern auf Dauer Gutes, wenn wir die Menschen nur hier versorgen? Der Krieg dort muss aufhören! Es muss insgesamt aufhören, dass Länder (inklusive des Unseren) zu geopolitischen Werkzeugkästen des Ehrgeizes einer kleinen Machtelite & großer Konzernmultis degradiert werden.

 

4. Es wäre fatal, wenn die Schlange im Kanzleramt, die gerade gegenüber einem palästinensische Mädchen bei einem Schulbesuch gezeigt hat, wie es um ihr Mitgefühl wirklich bestellt ist, hiermit einen gelungenen PR-Auftritt erlangt hätte. Denn sie war es, die Deutschland in ein vollumfängliches Werkzeug militaristischer Hegemonialpolitik umzukrempeln sich anschickt.

 

Noch einmal: Eine erste Hilfe für Flüchtlinge ist richtig & wichtig. Wenn es aber dabei stehen bleibt, war die ganze Aktion nur schädlich. Die rege Teilnahme der Menschen zeigt, dass sie solidarisch sein wollen, gute Menschen sein wollen, aber auch dass sie gebraucht werden wollen. Wenn sie's aber wirklich & nachhaltig sein wollen, führt aber kein Weg an einer konsequenten Politisierung der deutschen Gesellschaft vorbei, die ihre Regierung hindern muss, weilter zum Steigbügelhalter der Schönen Neuen Weltordnung avancieren zu wollen.

Sonst wird der nächste globale Krieg nicht minder blutig wie die letzten.

Bild des Benutzers ebertus

"bleibt eine unglaubliche Beklemmung bei diesem medial inszenierten "Sommermärchen" zurück".

Ich habe für das Projekt "Sea-Watch" gespendet und würde, soweit in Kürze statt zum Nordkapp im Alpenraum (wie so oft) unterwegs, dann sehr ernsthaft darüber nachdenken, Flüchtlingen auf ihrem Weg nach Deutschland zu helfen; als Blogtext schon mal thematisiert.

Nur einmal hier angekommen kann private Hilfe nur die Ausnahme sein, nicht zuletzt a) weil man mir erklären will, dass das alles ganz zufällig passiert, und b) eigenes mitschuldiges  Mittun als Vasall der USA weitgehend tabuisiert wird sowie c) nun gar reiche Bundesländer unter Führung der Grünen den -natürlich sprachlich verbindlichen- Rollback in die heimeligen Zeiten eines Roland Koch favorisieren.

Bigotterie, von der ich mich nicht instrumentalisieren lassen wollte.

...inzwischen wird so ungefähr alles instrumentalisiert: Solidarität, Hilfsbereitschaft, Internationalismus, das schöne Wort "Freiheit" --- deshalb herrscht auch ein derartiges Chaos in der politischen Diskussion, aus der folglich auch keine zugkröftige Oppositon mehr erwachsen kann. Ich kann für mich nur gegen die neue babylonische Sprachverwirrung, die reichlich orwllsche Züge trägt, nur noch die konsequente Analyse setzen. Das heißt: Man reibt sich auf, um möglichst alles zu decodieren & zu dekonstruieren, was sie von sich geben, um sich nicht für die falschen Dinge einspannnen zu lassen, gelangt aber nie auf ein operatives Niveau, auf dem sich irgendeine neue Theorie aufstellen ließe, von Praxis ganz zu schweigen...

damals, im herbst 1989 hatten "wir" keine theorie ... viele promis waren bereits in den westen "geflohen" und immer mehr menschen auf der "flucht" über ungarn oder die prager botschaft ... die regierung wachte - viel zu spät (genau durch diese "flüchtlinge") auf ... die medien begleiteten dieses jeweils aus ihrer ost-oder-west-sicht ...

in der berliner volksbühne trafen sich täglich 50-100-300 "aktivisten" und informierten und formierten sich (ohne internet) ... was in der 500.000er demo auf dem alex mündete

wer davon "instrumentalisiert" war ist nicht bekannt (ich vermute w. biermann war es als mediales startzeichen) ... ich weiß nur, dass von denen damals in der volksbühne und auf dem alex (außer joseph liefers) niemand mehr öffentlich einen piep sagt - sondern dies von angeblich bürgerrechtlichen pappnasen - die wie aus dem nichts nach dem gestammel von schabowski - welches tatsachen geschaffen hatte - auf der bildfläche erschienen

ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, welche theorie da gegriffen hätte ... andererseits leben wir jetzt im internet-informations-zeitalter - welches auch solche massenhaften realen versammlungen (für unseren gedankenaustausch) gar nicht mehr notwendig macht

die flüchtlinge von heute nutzen ihr smartphone als navigator für taktische aktionen - eine "theorie" dieser massenbewegung sehe ich darüberhinaus nicht (jedoch gibt es ja vermutungen, dass auch diese massenfluchtbewegung eine art startschuß hatte bzw. mehrfach instrumentalisierte komponenten, die zur relativ gleichzeitigen auslösung geführt haben)

die "linke" ist eupopaweit zerstritten (genau durch unterschiedliche theorien?) ... wenn nicht jeder bei sich selbst anfängt und solidarität mit gleichgesinnten + ganz eigene interessen klug in der balance hält (wie die flüchtlinge untereinander) ... wird es schrecklich sein und ideologische/religiöse gräben (ihrer fundamentaltheorie) aufbrechen, wie es z.b. gegenüber schwulen moslems in den flüchtlingslagern passiert

für mich ist das ein ewiger prozeß der menschheit ... irren ist auch menschlich >>> vor allem aber seine möglichen irrtümer radikal erkennen wollen und dann (öffentlich) korrigieren >>> einerseits ist da jeder auf sich (fast) ganz allein gestellt ... und andererseits gibt es da ein "system" von propaganda+täuschung+machterhalt um jeden preis >>> welches in vielen schriften als theorie der erkenntnis zur verfügung steht ... dort an den ewigen, neuen, raffinierteren codes arbeiten ist ja "unser" job >>> und zum glück, gibt es davon gar nicht so viele - das wiederkehrende muster ist relativ leicht zu erkennen >>> "uns" jedoch damit zu ermüden, auszutricksen und zu verwirren ist ein prinzip davon ... den gefallen tun wir ihnen nicht - was denken die denn, wie blöd wir sind????

blöd ist echt, dass "die wirklich linken" in ihrem agieren nicht unterstützt werden -warum das so ist, sollten sie sich selbst fragen ... ich meine, weil sie noch viel zu viel elemente in sich tragen, welche sie ihrem "systemgegner" vorwerfen ...

"...gelangt aber nie auf ein operatives Niveau, auf dem sich irgendeine neue Theorie aufstellen ließe, von Praxis ganz zu schweigen..."

Was nützt es, wenn die Analyse die eigene Kritikfähigkeit verbessert, aber diejenigen nicht erreicht, die sich den Denkleistungen verweigern? Wer von jenen kann die Infos überhaupt konsistent verarbeiten, wie sie gestern z.B. in konzentrierter Form im Kabarett gezeigt wurden; nicht nur verarbeiten, überhaupt Willens zu sein, sich damit auseinanderzusetzen? Aber ohne kritisches Bewusstsein keine Bewegung!

Bild des Benutzers ebertus

für den Hinweis auf das "Kabarett".

Muß gestehen, dass ich mich zur Zeit und absehbar vom Freitag weitgehend zurückgezogen habe, keine Blogs  dort mehr einstelle und auch nur sehr sporadisch noch kommentiere. Vielleicht ändert sich das ja wieder mal...

Momentan kann ich den gesellschaftspolitisch korrekten, durchgenderisierten, systemfrommen Freitag nicht ab.

Dar reallife geht vor und das Virtuelle war wohl noch nie mein Lebenselixier. Erst war das neue Enkelkind zu begrüßen und nächste Woche startet meine lange geplante Tour in Richtung Nordkapp; um diese Jahreszeit wohl schon ein kleines Abenteuer. Für die Vorbereitung führe ich seit kurzer Zeit eine Art Tagebuch und werde ggf. auch noch die entsprechenden Links bei den Termiten einstellen.

Habe ich "Die Anstalt" verpasst?

Bild des Benutzers fahrwax

Die teile ich voll.

"Caritas ohne politische Solidarität erscheint mir aber als nur halbe Solidarität."  Pispers bezeichnet diese schmalbrüstige "Caritas" zutreffend als "ersäufen der Sozialität im Mistloch der Gnade".

Ohne die Herstellung der Zusammenhänge von Krieg und Vertreibung mit den Grundlagen der herrschenden Wirtschafts-Idiotie bleibt diese feine Geste wirkungslos. Die "Helden" dieser mörderischen Orgien gehören nackig gemacht, ihre dreiste und menschenverachtende Ideologie gehört an den Pranger. Ihre Vorstellungen von "Fortschritt & Wachstum" schwimmen in einem Meer aus Blut und Tränen.

Ihre "Ordnung" kann nicht unsere sein, weil sie das permanente Elend voraussetzt.

...ist wirklich treffend.